Realisierung neuer Lebenswege durch Kommunikation und Mitmenschlichkeit in der Zivilgesellschaft

Bezugnehmend auf die systemkritische, gesamtgesellschaftliche Abhandlung „Über das Konsumgebaren, das Unterhaltungstreiben und die Plappermentalität der Schuldgeldknechtschaftssklaven – Dreckskapitalismus Teil II“, welche den Hauptfokus auf die Rechtslosigkeit des momentan praktizierten, globalistischen Geldsystems, sowie einer Reihe durchdachter Konzepte von gangbaren Alternativen dazu richtet, hat Stefan Posselt den nachfolgenden Leserbrief verfasst, den ich hier – mit freundlicher Genehmigung des Autors – erneut gesondert als minimal lektorierten Gastbeitrag hervorhebe.


Dieser Artikel (und die wenn auch wenigen Kommentare) bringt eine Kernfrage in den Vordergrund, die umtreibt, aufwühlt. Soll man versuchen etwas zu tun, aktiv werden und versuchen an einer Umgestaltung der jetzigen Situation mitzuwirken? Oder vertraut man auf die Kräfte der “natürlichen Ordnung”, findet seinen Weg und glaubt daran, dass irgendwann der Zenit überschritten sein wird und die menschliche Gesellschaft wieder zu sich findet?

Meine Intuition sagt mir, nein, es wird nicht von allein gehen. Aber diese Stimme sagt mir (noch) nicht, wie es gehen könnte. Dabei geht es weniger um die möglichen gesellschaftlichen Ideen, wie wir besser zusammen leben könnten. Der Artikel von Dude verweist auf einige Möglichkeiten, andere wurden hier ebenfalls erwähnt und vermutlich gibt es noch zahllose andere Ideen.

Die Frage ist, wie gelingt es, dass mehr und mehr Menschen sich überhaupt diesen Gedanken öffnen, andere Lebensalternativen als machbar akzeptieren?

Ich sehe doch an meinem eigenen Leben, wie schwierig es ist: Einerseits sehe ich deutlich, dass es so nicht weitergeht und ich möchte auf anderen Wegen wandeln, andererseits stehe ich immer noch im Hamsterrad und trete weiter, weil ich nicht raus komme.

Dazu ein ganz konkretes Beispiel: Ich wohne mit meiner Lebensgefährtin in einem kleinen Bauernhof zur Miete. Wir haben ihn wirklich lieb gewonnen und möchten dort unser weiteres Leben bis in den “Abend” verbringen. Der Besitzer möchte verkaufen, also haben wir uns entschieden, dass wir kaufen möchten. Das heißt konkret noch ein paar weitere Jahre Hamsterrad…

Ist dies jetzt ein Festhalten am Materialismus oder eine Lebensentscheidung für weiteres Wohlbefinden?

Fakt ist, ohne Eigentum braucht es das systemerhaltende Geld, oder den Mut, komplett auszusteigen, den wir nicht aufbringen. Es ist verwirrend, einerseits Erkenntnis/Bewusstsein zu erlangen, andererseits keinen Weg zu erkennen, und ich befürchte, es geht zahllosen Menschen ähnlich.

Ich glaube daran, dass viele, viele Menschen in ihrem Inneren eine ähnliche Unruhe haben. Ich glaube daran, dass viele, viele Menschen eine (verschüttete) Beziehung zur “natürlichen Ordnung” spüren, aber dass sie auch viel zu häufig mangels Alternativen den einfachen Weg gehen und den Fernseher einschalten.

Meine persönliche Intuition reagiert mit “Widerspruch”, wenn sie auf Meinungen trifft, die besagen, man müsse nur zu sich selbst und seiner Beziehung zur natürlichen Ordnung finden, dann sei dies ein Mensch mehr, und mit der Zeit reguliere sich das von allein. Und wenn nicht, sei man wenigstens mit sich selbst im Reinen.

Meine persönliche Intuition rebelliert regelrecht, wenn sie sieht, dass Menschen “wahre Wege” erkennen und dann nur für sich nutzen wollen. Ist es nicht eine “Vogel-Strauß-Philosophie” wenn man “seinen Buddha” sucht, getreu dem Motto: “Kopf in den Sand, mir geht’s gut”?

Übergreifend über zahllose “Erkenntniswege” scheint eine der Grunderkenntnisse zu sein: Wir sind Teil eines Ganzen!

Schließt die Erkenntnis darüber nicht die Verantwortung für das Ganze ein? Warum versucht man nicht “Zusammen zu kommen” und gemeinsam neue Wege zu gehen? Warum braucht jede Idee einen eigenen Blog, jede Theorie einen eigenen Namen? Bricht sich hier gar das gleiche “EGO” Bahn, welches auch die “Macher des Systems” leitet, nur eben auf anderen Ebenen?

Ich möchte wahrlich niemanden dafür “angreifen”, dass er seine Anschauungen auf die ihm am sinnvollsten erscheinende Weise veröffentlicht, ich fühle nur, dass es sich so nicht richtig anfühlt.

Pfarrer Niemöller, der acht Jahre in deutschen Konzentrationslagern überlebte, bringt meine Gefühle gut zum Ausdruck:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Meine “Verbindung zur natürlichen Ordnung” ist aktiviert worden, vieles ist in Bewegung geraten, zumindest dies ist für mich klar geworden. Und ich bin nicht allein! Das macht Mut, auch wenn der Weg nicht klar erkennbar ist.

Ich werde anfangen zu kommunizieren, hier oder woanders, auch wenn ich noch nicht weiß, welche Richtung meine Gedanken einschlagen werden. Ich werde suchen, nach Wegen und Gleichgesinnten, und ich möchte jeden Menschen ermutigen, der sich wiederfindet, aber – genau wie ich – den Weg noch nicht kennt:

Fang‘ an zu suchen! Fang‘ an zu kommunizieren!

Wir finden uns. Vielen Dank Martin und den anderen für die vielen Gedanken und Anregungen, die mich und andere begleiten. Ich hoffe, ich kann in Zukunft einige kleine Beiträge leisten, um auch andere zu begleiten.


Diesen (gar nicht so kleinen) Beitrag hast Du m.E. allein schon mit diesem Leserbrief geleistet, werter Stefan – herzlichen Dank dafür. Also weiter so, denn anzufangen allein genügt leider nicht – man muss den Weg auch weitergehen, und dieser Weg ist oftmals steinig…

Leseempfehlung:

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Bewusstsein, Dreckskapitalismus, Freiheit, Gastbeiträge, Medien, Menschen, Musik, Natur, Philosophie, Schönes, Schuldgeld, Sinn, Zitate

5 Antworten zu “Realisierung neuer Lebenswege durch Kommunikation und Mitmenschlichkeit in der Zivilgesellschaft

  1. drbruddler

    Diese Worte sprechen mir aus dem Herzen, doch die Leute sind immer noch nicht so weit, sie reden nicht mit- sie reden gegeneinander. Das beginnt schon damit, dass wenn irgendjemand eine Aufgabe übernimmt, er meint bestimmen zu müssen und die anderen für ein Weichei halten, wer es nicht so macht. Die Grenze zwischen Meinung auszutauschen und Besserwisserei ist verwischt worden.
    Was ist Mitarbeiterführung? Es ist nicht mehr, den Fähigsten auszuwählen, den Paris inter Paris zu suchen, sondern den Durchsetzungsstärksten zu förden. Der Führungsstil hat sich geändert, in der Arbeit (autoritär) in der Politik (autoritär) in der Gesellschaft (laissez-fair)
    Bei der Kommunikation die beste Lösung zu suchen, nicht die beeindruckenste Persönlichkeit, darum geht es.
    Das ist genau der richtige Weg, aufeinander zugehen und versuchen zu verstehen, egal was dabei herauskommt, es kann nur besser werden.

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  2. BaGoKro

    Die Leude sagen, es kann nur besser werden – das ist Zweckoptimismus…

    Danke für den Artikel, er spricht vielen aus der Seele…
    Erst gestern habe ich festgestellt das ich den Kopf gar nicht so tief in den Sand stecken kann wie ich wollte, denn wir alle befinden uns auf Wegen die wir nicht kennen, und das ist gut so und muss so sein. Wenn wenigsten wir auf unseren Wegen den Lebewesen denen wir begegnen den Respekt entgegen bringen den wir für uns wünschen, dann erreichen wir viel…

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  3. Harald B.

    Es hat mir gut getan, diesen Text von Dir zu lesen, Danke. … Es ist in der Tat schwierig, meinen eigenen Weg zu finden. Ich bin geprägt von so vielen Dingen, Erziehung, Schule, Ausbildung, Ansprüche aus dem sozialen Umfeld und natürlich immer auch der Angst, irgendwo vllt von meinem Weg abzukommen und im Nirgendwo zu enden … Ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass es verschiedene Arten von Reaktionen von außen auf mein Tun oder Nicht-Tun gibt. Manche Dinge gehen leicht von der Hand und andere enorm schwer. Irgendwo da ist wohl mein Orientierungshelfer vorhanden. Ich weiß nicht, was für die Welt, für andere richtig ist oder sein könnte – das kann ich gar nicht wissen, denn ich bin nicht GOTT. Ich bin nur ein Menschenkind, das seinen Weg durch den Dschungel des Lebens geht. Manchmal ist es sehr leicht und manchmal recht anstrengend. Ich kann reden, ich kann schreiben, ich kann meine Meinung äußern, einen Beitrag hinzufügen, meine Ansichten teilen. Sobald ich anfange zu werten, verliere ich mich unweigerlich im Chaos der vielen Bewertungszyklen. Dann werde ich zum Richter, zum Staatsanwalt und / oder zum Verteidiger. … Mir tut es gut, wenn ich bei mir bleibe, von meinen Ansichten berichte. Eine Entscheidung sollte grundsätzlich nur eine Gruppe treffen, die sich aus welchen Gründen auch immer zusammen findet und bereit ist Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Ich bin Teil dieser Gruppe, bin aber selbst nicht die Gruppe. Ich kann Dienste in der Gruppe übernehmen, jedoch wird die Gruppe von mir nicht geführt. Das erscheint mir derzeit der richtige Weg zu sein, um meinen Weg zu gehen. Ich nutze die Gruppe als Erfahrungspool und trage selbst mit meiner ehrlichen Erfahrung zur Entwicklung der Gruppe bei. Dadurch entsteht bei mir Hoffnung und ich finde Kraft meinen eigenen Weg weiter zu gehen; wenn das bei anderen Gruppenmitgliedern ebenfalls funktioniert, dann ist es umso besser. … Wenn die Welt rücksichtslos ist, dann kann ich selbst nur in soweit dagegen etwas tun, in dem ich selbst diese Rücksichtslosigkeit nicht praktiziere und mich dazu auch nicht provozieren lasse. Wenn ich mich niederlege, möchte ich auf einen Tag zurückschauen, an dem ich mein Bestes gegeben habe, wo es mir möglich war.

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  4. @Harald B.

    „Sobald ich anfange zu werten, verliere ich mich unweigerlich im Chaos der vielen Bewertungszyklen.“

    Am Bewerten gibt es m.E. nix auszusetzen, im Gegenteil ist es eminent. Chaos entsteht massgeblich durch Nicht-Werten, das letztlich eben eine Nichtwahrnehmung von Verantwortung ist.

    Die Fatalität liegt viel mehr im Urteil. Siehe dazu meinen Artikel Urteilsfreie Unterscheidung erfordert vorangehende Bewertung, als auch die Kommentare dazu.

    Was die Angst betrifft, erachte ich diese als das effizienteste Machtmittel überhaupt, deshalb sollte man sich hüten, Angst zu haben.

    Und auf Hoffnung zu setzen ist m.E. auch der falsche Weg, zumal diese immer mit Erwartungshaltungen verbunden ist, die ent-täuscht werden können.

    Ansonsten danke Dir für Deine ergänzenden Gedanken.

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  5. Pingback: Realitätsnahe Lösungswege zum aktuellen Gesellschafts- & Geldsystem-Fiasko – Es ist Zeit zu handeln! | Sei herzlich Willkommen beim Dude

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