Postkasten

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  3. als Stammtisch

Eine Antwort zu “Postkasten

  1. No_NWO

    Hi Dude,

    falls dir der Beitrag hier unten zusagt, sei er dir gern überlassen.

    Mit freundlichem Gruß

    Der Autor, No_NWO

    VON DEM VERHÄLTNISSE HERR UND KNECHT

    Entgegen dem äußeren Anschein, folgen Verhältnisse von der Art Herr und Knecht keineswegs der Logik von handelndem Subjekt (Täter) und erleidendem Objekt (Opfer). Solche Verhältnisse mögen in ihrem Alltag durchaus gewalthaltig sein, jedoch sind sie nicht aus Gewalt entsprungen. Alle Formen dieses Verhältnisses sowie der dort jeweils möglichen Interaktionen und Handlungen sind KULTURELL definiert, sie beruhen auf einem stillschweigenden IDEOLOGISCHEN Konsens aller Beteiligten. Dies gilt auch für das historisch jüngste der Herr-und-Knecht – Verhältnisse, für das von Kapital und Arbeit.

    Kapital und Arbeit sind nur scheinbar Gegensätze; tatsächlich sind sie Zwillinge. Eine Aufhebung jenes Verhältnisses ist allein dann möglich, wenn die Ideologie, die dem Verhältnis den Grund legt, verabschiedet und eine neuartige Ideologie formuliert wird. Dies letztere wiederum in einem großen gesellschaftlichen Konsens, der allein dem um Veränderung ringenden Fühlen, Denken und Wollen der einzelnen Mitglieder des Kollektivs entspringen kann.

    Das Problem ist nur, daß jene, den Zwilling Kapital und Arbeit hervorbringende Ideologie stillschweigend vereinbart wurde –gesellschaftlich grundlegende Ideologien sind dem kritischen Bewußtsein in aller Regel nicht zugänglich. Sie wirken in gesellschaftlichen Praktiken und werden ausschließlich durch letztere vermittelt und tradiert, ohne jemals in Worte gekleidet zu werden.

    Allgemein zu sagen, bestimmen ideologische Vereinbarungen gesellschaftliches Handeln, welches im weiteren Verlauf der historischen Entwicklung zu unhaltbaren Zuständen führen kann. Was sodann nach Aufhebung der bestehenden und Durchsetzung einer neuartigen ideologischen Vereinbarung ruft.

    Jene Ideologie nun, welche Kapital und Arbeit wirkmächtig macht – und dies sei zugleich die These dieses Beitrages – ist als „manichäisch-katharischer Geist-Materie-Dualismus“ einzuordnen — eigentlich eine Kosmologie, welche zwei Sphären kennt: Eine „höhere“, nämlich eine immateriell-geistige-göttliche-gute; und deren logischen Gegenpart: eine „niedrigere“, nämlich eine materiell-natürliche-leibliche-teuflische-böse.

    Sollte dies verrückt klingen — ja, es IST verrückt; Ideologien können sehr verrückt sein. Was genau die Verrücktheiten der uns umgebenden Welt erklärt: Das Kapital wandelt jene prototypisch „niedrige“ leiblich-händische Arbeit in der Warenproduktion in Immateriell-Geistiges um — nämlich in Macht bzw. in das von den alltäglich beschwerenden leiblich-materiellen Zwängen befreiende, und daher gottähnlich machende Geld. Was nun tut die Arbeit? Sie verausgabt ihren „niedrigen“ Leib in der Warenproduktion. Was sich als Schwächung jenes „bösen“ Leibs und so zugleich als Befreiung des „guten“ Geistigen von der Bedrückung durch das „böse“ Materielle lesen läßt — eine also inverse Form der „Vergeistigung“.

    Doch ist dies letztere eine Vergeistigung mit der unschönen Nebenwirkung nicht nur leiblicher, sondern auch geistiger Ermattung. Die in der Produktion verausgabte leibliche wie auch geistige Energie muß wieder zugeführt werden durch Konsum. Und selbstverständlich nicht durch Konsum von „niedrigen“ Dingen, wie es zum Beispiel bei Konsum noch naturnaher Lebensmittel der Fall wäre. Sondern durch den Konsum von Waren, denen durch Aufmachung, Verpackung usw. „Geistigkeit“ anhaftet.

    Jene Geistigkeit liegt nicht in der Aufmachung und Verpackung; vielmehr künden diese vom Vollzug einer heiligen Wandlung des Irdisch-Materiellen in Göttlich-Geistiges. Denn noch naturnahe Ausgangsprodukte gewinnen mit dem Durchlauf durch einen vom „Geist“ des Kapitals bestimmten technischen Produktionsprozeß den Charakter eines „Höheren“. Und so gewinnen im gewählten Beispiel auch Fast und Junk Food, wie zum Beispiel der knallsüße und in technoid glänzendes Plastik gewandete Riegel, „geistige“ Anziehungskraft: «Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück!» Mehr noch, wird die in der Produktion verausgabte niedrige, da ja leiblich-materielle Energie – und hier nun das Geheimnis des Konsumismus‘ – gegen höhere, da technoide bzw. geistige Energie eingetauscht! Ein Tauschgeschäft, in welchem sich nun endlich „Profit“ auch für die arbeitende Klasse darstellt.

    Daß obenstehende Darlegung ihr Fundament in der Wirklichkeit findet, beweist ein Blick zurück auf jene fanatisch entschlossenen Pioniere der Moderne, welche vor langem erstmals jene geist-materie-dualistische Ideologie vereinbart haben, der das Zwillingspärchen Kapital und Arbeit entsprossen ist. Es waren Mönche, die sich innerhalb ihrer Klöster mit absoluter Strenge in zwei sich NIEMALS – und selbst in der Klosterkirche niemals – persönlich begegnende Klassen teilten: in nicht leiblich-händisch tätige (adlige) Priestermönche, und in die (gemeinen) Arbeitsmönche. Siehe: «Die Zisterzienser — Geschichte und Architektur», Köln 1998. Tatsächlich ist diese Publikation ein so vollkommener Beweis für die Wirklichkeitsnähe des hier oben Dargelegten, daß sich jede weitere Debatte in dieser Angelegenheit erübrigen muß.

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