Blues unser

Der sechste Teil der hiesigen Satyrserie gehört eigentlich als Ode an den Blues – wie schon ‚Revolvermann unser‚ als Ode an den Revolvermann – nicht in diese Serie, obwohl der Stil identisch ist. Es handelt sich hierbei nicht wirklich um Satire und das nachfolgende entstand auch nicht im Pausenclown-Modus, sondern aus tiefster und bewusstester Ernsthaftigkeit heraus.


Blues unser
Der Du bist geboren im Herzen
Dein Geist erscheine
Deine Seele werde manifest
Wie in den Südstaaten
So auch in Europa
Unser täglich Odem der Inspiration gib uns heute
Wie auch wir huldigen Deinem Klang
Und führe uns nicht zum Opferaltar der Popkultur
Sondern erlöse uns vom Tanz ums goldene Kalb
Denn Dein ist der Tiefsinn
Und die Weisheit
In Erhabenheit
Und Liebe
Mojo


Die Inspiration für diese Ode an den Blues wurde geweckt (oder beschworen?) durch Craig Brewers filmisches Meisterwerk „Black Snake Moan“. Dieses cineastische Kunststück sondergleichen lässt weit über 99.999% aller seit dem Jahre 2000 (mindestens) produzierten, mit Bekanntheiten besetzten Filme aus der Hollywoodschen Gedankenfabrik, so tief in diesigtrübem Schatten stehen, dass sie – im Nebel des Trübsinns entschwindend – selbst für Individuen mit übersinnlichen, ja gar seherischen Fähigkeiten – oder erst recht ebendiesen 😉 – nicht mehr sichtbar sind, was aber überhaupt nichts macht bzw. sogar perfekt ist, zumal es mindestens 99.999% all dieser subtil-manipulativen, propagandistischen und billigen (jedoch masslos überteuert produzierten) Hollywoodschen Schundfilme auch zurecht verdient haben, dem tiefsten Schatten der ewigen Verbannung anheim zu fallen.

Bitte lest – mal davon abgesehen, dass Wiki von Spoilern überquillt bzw. jedwedes Filmvergnügen zunichte macht – auf keinen Fall die in Wikipedia eingetragenen Kritiken von Peter Travers (Rolling Stone), Daniel Kothenschulte (FAZ) und Thorsten Funke (Critic), denn das sind vollverblödete, hirnherzamputierte Trottelköpfe, die 1. den Film gar nicht kapiert haben – da sie höchstwahrscheinlich eher dem special-effect-gespickten, sülzig-banalen, seusel-sentimentalen Mainstreamscheissendreck des heutigen Standard huldigen -, worum es in Black Snake Moan eigentlich geht, und 2. erst recht keinen Sinn für musikalische Kunststücke mehr haben. Dieser Sinn wurde diesen blutgeldgeilen Kalbtänzer-Arschlöchern wahrscheinlich in den Marketingschulen und anderweitigen Verbildungsinstitutionen zielführend abtrainiert (um nicht sagen zu müssen: weggezüchtet), genauso wie ihnen dorten der Geist mit Schrott beladen und das Herz in einem Misthaufen von Nonsense erstickt, während die Seele auf dem Altar des goldenen Kalbes dem Gott des Materialismus (vade retro, Satanas!) als Opfergabe zum Verzehr gereicht ward.

Um diesem Meisterwerk also den nötigen – zumal hochverdienten! – Respekt entgegenzubringen, und da es blödsinnig wäre, auf den von Spoilern überquellenden Trailer zu verweisen, verzichte ich hier sehr gerne darauf, und möchte Euch stattdessen viel lieber (und passender) zunächst den Kultblueser ‚Blind Lemon Jefferson‘, der seinerseits Craig Brewer die Inspiration zu diesem Kunststück schenkte, zur akustischen Verköstigung empfehlen, um danach auch noch den von Samuel L. Jackson göttlich gespielten Titelsong zum Dessert zu servieren, womit Euch wohl Eure sinnlichen Münder schon vor den abschliessend folgenden, spoilerfreien Rezensionen verschiedenster, unabhängiger Freigeister genug wässerig gemacht sein müssten, dass ihr Euch dieses Meisterwerk von Film in aller Ruhe und Aufmerksamkeit Selbst anseht.

Einige Individuen bei Moviepilot haben z.T. überaus trefflich rezensiert, obwohl, insgesamt betrachtet, offensichtlich nur die Wenigen die höchststehendste Weisheit dieses Filmes in seiner Gesamtheit und in vollster Tiefe wirklich verstanden haben, was sich allein schon darin widerspiegelt, dass dieses Meisterwerk 1. fast allen zu langatmig erschien – während ich meine, man hätte ihn auch durchaus noch (ganz ohne Qualitätseinbusse; eher im Gegenteil!) um eine halbe bis eine ganze Stunde erweitern können -, und 2. die meisten ihn für ein Drama halten, während das eigentliche Prädikat hiefür viel trefflicher „rabenschwarze Komödie“ (oder meinetwegen auch „Tragikomödie“) wäre:

(Anm.: Alle Spoiler rauszensiert)

Anders als es vielleicht der Trailer vermittelt, ist der von Jackson dargestellte Lazarus tatsächlich ein guter, gottesfürchtiger Kerl, der sich aufopferungsvoll um Rae aka Ricci kümmert. Das Spiel der beiden und ihre Chemie haben mich wirklich tief beeindruckt.
[…]

[…]
Der Film ist eine Verbeugung vor dem Blues. Jener Musik, die gleichzeitig so voll Schmerz und Heilung ist wie keine andere. Der ganze Film wird musikalisch von langsamen Blues-Tönen untermalt und nimmt sich entsprechend viel Zeit für seine Geschichte.
[…]

[…]
Was zu Anfang noch als recht ungewöhnliches Filmvergnügen beginnt, mündet aber dann doch (glücklicherweise), in ein ernst gemeintes, weniger drastisches X, welches im gleichen Atemzug auch so etwas wie eine Liebeserklärung an die Blues-Musik darstellen soll.

Südstaaten gepaart mit hartem rauhen Blues. Samuel L Jackson in einer Glanzrolle, genial gespielt und brilliant gesungen. Christina Ricci überzeugt auch…
[…]

[…]
Samuel L. Jackson legt hier eine absolut fantastische Leistung hin, sowohl schauspielerisch als auch gesanglich und hätte für diese Rolle mit Preisen überschüttet werden müssen. Zusammen mit seiner Rolle des Jules Winnfield aus „Pulp Fiction“ und seiner schräg-genialen Nebenrolle in Tarantinos „Django Unchained“ seine beste [wenn nicht DIE Beste – Anm. Dude] Performance überhaupt!
[…]
Der Fokus liegt ganz klar auf den beiden Hauptprotagonisten, die sich hier die Seele aus dem Leib spielen. „Black Snake Moan“ ist ein sehr emotionaler, berührender Film über Schmerz und seine Heilung.
[…]
Die grandiose Bluesmusik hat ebenfalls eine sehr wichtige Funktion und trägt ihres zum Gelingen dieses wunderbaren Filmes bei, ebenso wie der jederzeit spürbare Südstaatenflair…
[…]
Craig Brewer hat mit „Black Snake Moan“ einen brillanten Film in Szene gesetzt, welcher mich auch beim zweiten Anschauen noch extrem begeistert hat. Nach dem dritten Mal könnte der Film es zum Lieblingsfilm schaffen, wirklich ganz große Klasse!

[…]
Das Herz des Blues wird hier offenkundig gezeigt und in der besten Szene des Films […] zeigt der Film die wahnsinnige Wirkung des Blues auf metaphysischer Ebene, was Blues überhaupt bedeutet.
[…]

[…]
Wie diese Perle von Film den Betrachter in den Bann zieht und einen Wirbel aus Blues, Gewalt, Traumata und natürlich der Erlösung bietet, ist schlicht verdammt gut. Was nicht zuletzt an der großartigen Leistung der Akteure liegt – unbedingt anschauen und am Besten im Originalton.

[…]
Wie es aussieht ist das auch ein Geheimtipp. Der Soundtrack ist sehr gut, die Leistung der Hauptdarsteller definitiv herausragend und glaubwürdig. Die Geschichte hat enorm viel Tiefe. Keinesfalls „Feel-Good“-Popcorn-kino sondern eher ein Film der zum nachdenken anregt.
[…]

Dieser Film ist das Paradebeispiel dafür, dass man eins niemals machen sollte: Lesen sie sich niemals die Zusammenfassung auf dem Cover durch, geschweige denn die hastig eingefügten Kommentare.

Tatsächlich war das alles auf dem DVD-Cover irreführend und am Inhalt des Films vorbeigeleitet. In der Schule hätte man gesagt: Thema verfehlt – Fünf, setzen!

Tatsächlich behandelt dieser Film ein äußerst sensibles Tabuthema auf eine Art, wie man sie von Hollywood alles andere als gewohnt ist. Kindesmissbrauch und dessen Spätfolgen wird meist auf reißerische, taschentuchtränenreiche Art verrissen, die das tatsächliche Leid vollkommen vermissen lassen und nur dazu führen, das Abspielgerät aus dem Fenster zu werfen.

Nicht so Black Snake Moan. Der Regisseur führt den Zuschauer ganz behutsam an das Hauptthema heran, wohl wissend, was seine Vorgänger bis dato als Schrunz daraus produziert haben. Christina Ricci und Samuel L. Jackson spielen ihre Rollen mit äußerster Sensibilität und Feingefühl, was einmal mehr ihre wahren Qualitäten unter Beweis stellt.
Anfangs führen sie den Zuschauer in die Irre, vermitteln authentisch ein Trugbild, welchem man auch im normalen Leben gerne aufsitzt: Dem ersten äußerlichen Eindruck.
[…]
Wer als Zuschauer glaubt, er könne sich jetzt getrost zurücklehnen und den Film an sich herunterrieseln lassen, begeht einen schweren Fehler und wird folgerichtig mit Entäuschung bestraft, denn dieser Film ist alles andere als leichte Kost. Black Snake Moan ist ein überaus anstrengendes Werk, bei dem Nachdenken ebenso gefragt und gefordert ist, wie das Hineinversetzen in die einzelnen Charaktere. Und das vom Anfang bis zum Ende!
[…]
Er [der Regisseur] führt dem Zuschauer unbarmherzig vor Augen ein hässliches Spiegelbild vor Augen, dass zeigt, wie willig und leichtfertig man bereit ist, andere Menschen nach einer vorgefassten Meinung einzustufen und zu verurteilen, und das zwar in der trügerischen Sicherheit der tumben Menschenmasse.
[…]

[…]
Black Snake Moan findet auch eine gute Mischung aus Komödie, Liebesfilm und wie ich meine auch ein wenig Drama. Es gibt gerade zu Anfang eine Menge Szenen, die einfach nur Urkomisch sind und gerade gegen Ende wird es dann ernster und der Film wirkt nie lächerlich, sondern strahlt auch Glaubhaftigkeit aus ohne irgendwie träge daher zu kommen.
[…]

Die packend dichte Atmosphäre die der Film schaft zieht einen unglaublich schnell in die Handlung hinein. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Die Musik ist atemberaubend gut und wem bei Blues und Gewitter nicht die Nackenhaar stehen ist selber Schuld.
[…]

Geniale Story und sehr originell.
[…]

Allein die Idee [Spoiler-Zensur] reicht für Kult-Status, aber der Film hat noch viel mehr auf dem Kasten: Eine super ausdrucksstarke Story…
[…]
…eine Geschichte über Moral und die Suche nach dem rechten Weg.
[…]

Wenn man eine gute und vor allem überzeugende Geschichte erzählt bekommen möchte, sucht man sich am besten eine Independent Produktion.
[…]
Thematisch fand ichs sehr überzeugend. Einerseits ne extreme Story [Spoiler-Zensur], die aber erzähltechnisch auf dem Teppich bleibt. Ein Leckerbissen an Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte!!

Richtig gut! Ein Bisschen Coen, ein Bisschen Tarantino und dennoch ein eigener Stil.
[…]
Die Musik geht unter die Haut.
[…]

Black Snake Moan ist ein toller und stimmiger Südstaatenfilm der ein ernstes Thema sehr schwarzhumorig aber trotzdem immer respektvoll behandelt.
[…]
Der Soundtrack dürfte zu den besten zählen was jemals in einem Film vorgekommen ist, und dazu gehören ohne Frage auch Jacksons Beiträge.

Ps. Ich freue ich mich übrigens schon sehr auf die persönlichen, öffentlichen Stellungnahmen der Oberpropagandisten Peter Travers (Rolling Stone), Daniel Kothenschulte (FAZ) und Thorsten Funke. Und ja, ihr dürft mich auch Arschloch o.ä. nennen und ich zensiere euch nicht. 🙂


Empfehlungen:


Nachtrag vom 27. Dezember 2013, 20:10

Samuel L. Jackson selber bezeichnete dieses cineastische Bravourstück bzw. seinen Auftritt darin übrigens als einen der besten seiner gesamten Karriere, womit ich ihm – trotz seiner Glanzleistung als Jules Winnfield – vollumfänglich beipflichte!


Nachtrag vom 11. April 2014, 20:00

Altes in besonders gelungener Form

The Robert Cray Band. In My Soul
[…]
Das Album war eine Referenz an die Wurzeln und eine Hommage an den Süden. Dort scheint Robert Cray nun wirklich angekommen zu sein. Der Mann aus Georgia, 2011 in die Hall of Fame des Blues aufgenommen, hat zur Sprache zurück gefunden und intoniert den Blues nicht wie in alten Zeiten, sondern er hat ihn angereichert mit den Silben des Soul, der Stimme des alten amerikanischen Südens schlechthin.
[…]
Weiterlesen bei Gerhard Mersmann…

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19 Kommentare

Eingeordnet unter Bewusstsein, Bildung, Freiheit, Gedankenkontrolle, Gottvatermutter, LiebeLicht, Manipulation, Medien, Musik, Philosophie, Schönes, Schuldgeld, Sinn, Spielfilme, Weisheit

19 Antworten zu “Blues unser

  1. Kolibri

    @Dude
    Und damit dürfte die Pro-c-dur in b-moll wohl noch etwas länger dauern.

    Dazu hab ich nur noch eines zusagen:
    Hüte dich vor Menschen, die immer die Guten sein wollen, denn du wirst für sie den Bösen spielen müssen.
    Und diese Rolle zu übernehmen hab ich im Moment echt keine Lust.

    Meine Toleranzgrenze Religionsfanatikern gegenüber ist erreicht, sie liegt bei Null. Punkt!
    Und ich weigere mich, für die auch nur einen Funken Verständnis aufzubringen, geschweige denn, denen ihr Psychotherapeut zu sein. Punkt!
    Damit ist die Diskussion zu Ende. Punkt!

    Afrika, dieser Kontinent könnte heute ein blühendes Land sein, wäre nur ein Bruchteil des Geldes, mit dem all diese Kriege finanziert wurden, für die notwendigen Infrastrukturen verwendet worden, dann würden wir heute alle davon profitieren, so bleibt nur verbrannte Erde.
    Wer da mitgewirkt hat, diesen Kontinent zu zerstören dies weiss jeder, der sich auch nur annäherend etwas Mühe machte sich zu informieren.
    Die Oberspirituellen haben dazu ihren vollsten Beitrag geleistet.

    Schweigen ist oft auch eine Antwort, ob immer die Richtige, diese Frage lasse ich mal offen?

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  2. Chloe

    Hi there! I just want to give a huge thumbs up for the good information you have right here on this post. I might be coming again to your weblog for extra soon.

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  3. Godfather

    Sammy ist einfach göttlich…

    Danke für den Hinweis!

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  4. @Godfather

    Nicht nur Sammy…

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