Mobilkommunikation: Von Fun(k) zu Demenz?

Flacher, bunter, fingerkompatibel. Knalliger, kleiner, bombastischer. Multifunktionaler, verbundener, verrückter. Online, onliner, am onlinsten. Milliarden über Milliarden von knulligen, spassigen, herzigen, lieblichen Gadgets machen uns zum Meister der Kommunikation. Und zum Slaven der 24/7 Erreichbarkeit, zum Blödelianer, zum Idioten, der jede Mücke in die Welt hinausposaunt, zum ewig und immer Totalerreichbaren. Und zum ewig Vergesslichen? Wir vergessen mit Mobilfunk nicht nur, was echte Kommunikation ist, was echte Freunde und was echte Privatsphäre, wir vergessen auch, dass wir kein Mikrowellenofen und kein Funkmast sind. Von Fun zu Funk und von Funk zu Demenz?

Es ist schon eine fazinierende Welt, die der Mobiltelefone. Man kann Ohrhörer reinstöpseln. Man kann damit Spielen, Surfen und millionenfach Apps runterladen. Und man kann mit ihnen telefonieren…

In allen Formen und Farben kullern sie in kleinen und grossen Händchen und Händen rum, egal ob Baby oder steinalt, egal ob wieselflink oder mit peinlichem Tastenpiepston, egal ob als Uhrzeittelefon oder Operngezwitscher klingeln, egal ob Tags und Nachts, ob in Krieg oder Frieden. Mobiltelefone klingeln sich durch Friedhofsstille, durch vollbesetzte Züge, durch Notfallstationen.

Rosa schnulzig, glittergoldig, pechschwarz, mit Diamanten besetzt, kultig abgeschabt, pingelig verglänzt, ferrarirot. Nur eines haben alle diese niedlichen Allzeiterreichbarkeits-Maschinen gemeinsam: Sie funken.

“Viele Menschen fragen sich ernsthaft, warum ein hoher Mobilfunkmast mitten in einem Wohngebiet mal eben so errichtet werden darf, wo man sogar bei einer Gartenhütte mehr Auflagen hat.”
Dr. Gerd Oberfeld, Umweltmediziner der Landessanitätsdirektion Salzburg, 2000

Sie funken uns das Gehirn heiss, sie funken uns ins Gehirn rein und sie funken uns das Gehirn weg. Die, die warnen, werden belächelt, als Hinterwäldnerisch, als Technickfundamentalisten, als Kommunikationskiller, als Funvernichter dargestellt.

Aber was soll all das piepsende, blickende, surrende, klirrende Getue, was sollen all die eifrigen Fingerlein, die unzählige Fantasiemilliarden kurzgebürstete Messages schreiben, all die eifrigen Lippen, die den allerersten und den allerletzten Gedanken jedes Tages und jeden einzelnen Gedanken dazwischen eifrig in den Hörer knallen?

Was soll der ganze Fun um eine nervende Kommunikationsschleuder, um eine kreischende Belanglosigkeitsmaschine?

“Eltern sollten ihre Kinder möglichst von dieser Technologie fernhalten.”
Wolfram König, neuer Chef des Bundesamtes für Strahlenschutz, August 2001

Es soll. Es soll. Nicht umsonst ist unsere Landschaft mit diesen niedlichen Mobilmasten verbombt, nicht umsonst verbraten wir uns mit Mikrowellen das Hirn. Nicht umsonst sind diese “In”-Maschinen so schrecklich schnuggelig und nicht umsonst verbringen wir Stunden mit ihnen, spielend, schreibend, schreiend, über meist hirnrissig belangloses Diskutierend. Nicht umsonst tun wir so, als sei immer erreichbar sein ganz normal, auch wenn man nur für das schrullige Technikorakel erreichbar ist, nicht für die Welt um sich.

“In 20 Jahren sind wir ein Volk von Demenz-Kranken.”
Dr. Brigitte Lange, Physikerin und Wissenschaftlerin in der Hirnwellenforschung, zum Thema Handywellen und Öffnung der Blut-Hirn-Schranke, Januar 2001

So meint man, etwas gekauft zu haben, aber hat etwas anderes gekauft. Man meint, ein nützliches Spielzeug zu haben, eine praktische Linie zur Welt, ein immer Online Wunderding … und man hat ein hirnaufweichendes Monstergadget, dass einem von der Welt entzweit und tagsaus tagein auf die eigene Erreichbarkeit, auf den Youtube Status, auf den unendlichen SMS Ping Pong fokussiert.

Die Mobilkommmunikation vereinsamt mitten im wirren Geschrille, mitten im Kosmos aus farbigen Bildschirmpixeln. Blind schreiten sie über wilde Strassen, blind laufen sie in Menschenmengen hinein. Blind für die Welt, taub für die Welt, stumm für die Welt… alle Augen, Ohren und Lippen auf ihn gerichtet, den Gott der Kommunikation, dass freundlich strahlende Wunderding mit Tiefenwirkung.

Von Fun(k) zu Demenz – Vom sich ins Vergessen reden, schreiben, sich ins Abseits kommunizieren. Vom Fun im Mobilfunk zum Vergessens der Welt um sich und, so warnen nicht wenige, zur Krankheit des Vergessens.

Vom immer erreichbar, immer ready, immer auf Draht, stets bereit sein zum 24/7 Skaventum mit pompösem Klingelton.

Vom Funk am Kopf zum Funk im Kopf. Vom Hirn, das zum “no frills” Mikrowellenherd wird. Vom freulich, freudigen Zellen Grillieren aus purem Spass. Vom Telefonino, dem niedlich herzigen Klingelding. Von den eifrig rausgeplällerten Banalitäten, vom ewigen Rauschen der SMS, vom der unendlichen Antwort auf die unendlich hallende Frage:

Was soll das?

Vom maximalen Fun, der maximal vergesslich macht.


Backup aus dem WebArchiv

Eine Antwort zu “Mobilkommunikation: Von Fun(k) zu Demenz?

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