Foxconn – glänzende iPhones, nichtaufhörende Suizide und diktatorischer Silent Mode

Modern Times XXL: Bei Foxconn haben sich in den letzten 1 1/2 Jahren 16 Mitarbeiter das Leben genommen, die letzten 2 in den letzten Wochen. Glänzende iPhones 5, Kinderarbeit, Suizide, Silent Mode. Der taiwanesische Gigant Hon Hai Precision Industry scheint Mühe mit der Unterscheidung zwischen Mensch und Produktionsmittel zu haben. Was kann nur 16 junge Menschen dazu treiben, sich umzubringen, sich vom Dach der Fabrik zu stürzen, wo sie arbeiten? Silent Mode und Interview Verbote scheinen Foxconns einzige Antworten auf diese Fragen zu sein.

Foxconn, der seit der ersten Suizidserie in Schieflicht geratene Apple Zulieferer, gehört zum taiwanesischen Konzern Hon Hai Precision Industry, der 1,2 Millionen Menschen beschäftigt. 1,2 Millionen, eine Grossstadt…

Jetzt wurden wieder 2 neue Suizide publik von Mitarbeitern zwischen 20 und 25 Jahren.

Foxconn Kritik in China

Im Oktober 2012 hat Foxconn zugegeben, 14-jährige Jugendliche beschäftigt zu haben. Schlimmer noch ist eine Serie von Suiziden von jungen Mitarbeitern, die nicht abbricht.

“Erneut sollen sich zwei Arbeiter einer Foxconn-Fabrik in China das Leben genommen haben. Einem Bericht von China Labor Watch (CLW) zufolge sprang am 24. April ein 24-jähriger Arbeiter in den Tod, am 27. April eine 23-jährige Arbeiterin.”
20minuten

Statt sich aktiv mit den gravierenden Problemen auseinanderzusetzen, hat Foxconn den Silent Mode über das Werkgelände verhängt. Arbeiter dürften demnach nur Zwiegespräche über arbeitsrelevante Inhalte führen. Gespräche unter mehr als zwei Personen seien nur in speziell gekennzeichneten Bereichen erlaubt. Sonst droht die Kündigung.

Das erinnert morbid an die spanische Diktatur unter Franco, wo Gespräche mit mehr als 2 Personen als Konspiration angesehen wurden und die Beteiligten mit einer Festnahme durch die Geheimpolizei rechnen mussten.

Bei Foxconn wird auch das neue iPhone 5 produziert. Ein “edles” Designobjekt also, an dem Blut klebt. So haben sich vorige Woche ein 24-jähriger Arbeiter und drei Tage später eine 23-jährige Arbeiterin vom Dach des Gebäudes in Zhengzhou gestürzt. Die Reaktion von Foxconn? Die Arbeiter mussten daraufhin Verträge unterschreiben, in denen sie sich dazu verpflichteten, nicht mit Medien über die Suizide zu reden.

So haben sich in eineinhalb Jahren 16 Mitarbeiter von Foxconn umgebracht. Es ist erschreckend, wie eine Firma so viele junge Menschen durch die Arbeitsbedingungen in den Suizid treiben kann. Es kommt dabei eine Traurigkeit auf, die so ein schickes iPhone ganz in einem anderen, einem morbiden Licht erscheinen lässt.

Die Frage stellt sich aber auch nach der Ethik einer Firma, die 1,2 Millionen Menschen beschäftigt und augenscheinlich so wenig Werschätzung für ihre Mitarbeiter aufbringt. Welchem Druck muss ein junger Mensch ausgesetzt sein, welcher Form von psychologischer Folter, um sich umzubringen? Wie können 16 Menschen diesen Schritt machen?

Man fühlt sich in einen Horrorfilm versetzt, sieht so die Realität im Produktionsland China aus? Einige, die profitieren und im Reichtum schwelgen und viele, die ausgenutzt werden, deren Wert auf ein Produktionsmittel reduziert wird?

5 Millionen iPhones wegen Qualitätsmangel zurückgeschickt? Verrückt.

“Apple hat angeblich am 15. März 5 Millionen fehlerhafte iPhones an Foxconn zurückgeschickt. Das berichtet das China Business Journal unter Berufung auf eine Quelle bei dem Auftragsfertiger. Insgesamt könnten bis zu 8 Millionen Apple-Smartphones betroffen sein. Reklamiert wurden demnach die äußere Erscheinung und auch Probleme mit Funktionen der Geräte.”
ZDNET

Und zynisch unbeholfen klingt dann auch das Verbesserungs Gelobnis vom Apple CEO vom Februar letzten Jahres:

“Wir werden tiefer und tiefer graben, und wir werden sich noch Probleme finden. Was wir nicht tun werden – und nie getan haben – ist, unbeweglich zu bleiben oder unsere Augen zu verschliessen vor Problemen in der Herstellungskette. Darauf haben sie mein Wort.”
Apple CEO Tim Cook, Techno-Gadgets: Der bittere (iPad) Nachgeschmack…, conspirare

Die Totenkopf Symbole auf den übergrossen iPhones im Titelbild wirken nun sehr passend. Stress, miese Arbeitsbedingungen, militärischer Drill, Redeverbot, Ueberarbeitung. Was läuft schief bei Foxconn?


Aus dem Webarchiv gefischt.

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3 Antworten zu “Foxconn – glänzende iPhones, nichtaufhörende Suizide und diktatorischer Silent Mode

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