Ringelreihen-Karussell-Tänze

Es gab mal Zeiten, da haben sich die Kinderchen von selbst im Kreis gedreht, keinerlei Technik oder Billettkarten benötigt und keiner flog raus, weil alle sich an den Händen hielten und alle hatten ihren Spaß an der Sache, niemand wurde verletzt.
Völlig atavistisch nannte an das: Kreislaufwirtschaft.

Indem aber ‚Meinungsbildner‚ auf die Idee kamen dem Ganzen mehr Schwung zu verleihen, trieben sie also die Kinderchen dazu an sich schneller zu drehen, weil – more run, more fun! siehe dazu: SPIN-doctors.
Um sie dazu zu motivieren fingen sie an die Kinder untereinander in zwei Gruppen zu teilen, wobei jeder Gruppe gesagt wurde, dass sie die andere überflügeln müsste im schnellen Im-Kreise-drehen und versprachen den dabei ‚Besseren‘ sozusagen Extra-Billetts (obwohl das Kinderkreiseln ursprünglich gar nichts gekostet hatte, aber die Billets glitzerten so schön wie Feenstaub…).

Aber weil Kinderfüße nur begrenzt beschleunigungsfähig sind, baute man ein Karussell und stellte es im Dorf auf und lud zur Kirmes.
Lustige Figuren gab es da zu reiten, bimmeln und tröten, kostenlose Musik obendrein und blinkende Applikationen, dass einem schwindlig werden konnte.
Durch diese Beschleunigung dank des Kinderkarussells flogen aber immer mehr Kinderchen von den schaukelnden Seepferdchen und Dumboleins etc.
Die einen dozieren, dass das an zu vielen schaukelnden Kinderlein läge, weswegen man diese reduzieren und schärfer reglementieren müsse – die anderen dozieren dagegen, dass die Karussellbesitzer sich einen unverantwortlich gefährlichen Spaß erlauben mit dem Trafo des Karussells zu spielen, weil: je schneller sich das dreht, um so mehr Runden pro Minute abgeklimpert werden können und so der Stundenumsatz steigt! (Kann man durch diverse alternative Antagonismen ersetzen) – man muss ja auch des Betreibers Nutzen angesichts seiner Kosten („Hörense uff! Die fressen misch uff! Aber wat soll isch mache? – de Kindersche wolln doch ihr Spässje hamm!?“) wohlwollend berücksichtigen, nicht – bei DEM selbstlosen Spaßangebot?!

Aber keiner verlässt das Karussell und kehrt nicht wieder?
Alle wollen immer wieder dabei sein („Kommense näher! Kommense ran! Hier werden Sie genauso beschissen wie nebenan! Noch eine Fahrt, noch einmal Spaß – hinein in das Vergnügen!!…“).
Warum? – weil der Schwindel (ahoi Ambivalenz) so attraktiv ist!
Warum er wohl so attraktiv ist?
Weil der Schwindel wie ein guter Suff Probleme scheinbar auflöst, die sie alle vorher nicht hatten als sie sich noch ihrer eigenen Füße bedienten!
Man konnte all das ‚Zeuch‘ einfach ‚vergessen‘ – zumindest so lange wie man sich den ‚Spaß‘ leisten konnte.

Da kamen die ‚Aufklärer‘, die, die das Karussellfahren verteufelten – aber leider nur, weil allzu viele von ihnen ihre eigene Jahrmarktbude vollkriegen wollten – das Kasperltheater z.B. wo Kasper gegen das Krokodil seit vielen Jahrzehnten kämpft oder die Losbude, wo jedes 10. Los garantiert ‚gewinnt‘ (wobei jeder ‚Gewinn‘ den Betreiber nicht mehr kostet als 1 Los) oder der Zuckerwattenstand – „Kinder sollen wieder lachen können!“ – der dem örtlichen Zahnarzt gehörte, welchen das glückliche Lächeln der Kinder auch betörte – aber nicht weil die sich freuten, sondern er die Zahnschäden besser sehen konnte, an denen er demnächst seinen Umsatz steigern konnte.

Und so kämpften schließlich alle um die Kinderchen – teils aus Sportsgeist – teils aus Profitsucht – teils aus Boshaftigkeit, um irgendwie irgendwen ärgern zu können – teils aus echter Angst um die Zukunft der Jugend…

Da kamen wohlwollende ‚Alte‘, die sich noch erinnerten und nun versuchten den Kinderleins das uralte Kreiselspiel wieder schmackhaft zu machen – also weg vom Rummel, von Kirmes und Dauerkarneval.
Aber gegen das betäubende Feuerwerk der Attraktionen kamen sie nicht an.
Da starben bald die Alten aus und keiner wusste mehr von einem ‚Davor‘ zu erzählen.
Nun erzählten sie sich Geschichten, nein, ‚News‘ von einem zukünftigen Technohimmel voller Gadgetgeigen und virtuellen Void-ismen und studierten selbst Karusselbau und Karusselbetriebswirtschaft etc.
Eine Welt ohne Karussells war für sie nicht mehr vorstellbar, denn selbst ‚Aufklärer‘, die nun gegen den Karusselverkehr wetterten, sich auf mythische alte Werte und Spaßquellen bezogen, wollten dies INNERHALB einer Kirmeswelt tun anstatt den Rummel zur Gänze abzuschaffen – schlicht weil sie zeitgleich genau wussten, dass, würden sie das ernsthaft fordern und umsetzem wollen, 99% („WIR sind die 99%!“) ihnen den Vogel zeigten und die letzten Groschen, die noch im Umlauf waren, sich gegenseitig aus der Tasche zögen, nur um noch einmal mit glänzenden Augen und ebensolchen Billetts sich in die Schlange einzureihen für ein Impfkarussell – die neuste Attraktion des Jahrmarkts der Einfältigkeiten und Selbstvergessenheiten…

Die Werbung für das eigene Büdchen, das Schlechtreden der Konkurrenten (manche beließen es nicht beim Reden, sie ließen Taten folgen und manches Büdchen brannte ab oder der Besitzer wurde verhaftet gelassen etc.), das Lauterdrehen der Musike, das immer blendendere Leuchtfeuerwerk und die immer schneller, atemberaubender und gefährlicher drehenden , schaukelnden, wippenden, steigend-fallenden Attraktionen ließen alle Kinder völlig vergessen wie es früher einmal war.

……

Solange nicht eine VOLLSTÄNDIGE Abkehr von der ‚Technik‘ (hier im Besonderen die Digitalisierung gemeint) plausibel beworben und greifbar gemacht wird, nützen die paar aufrichtigen ‚Karussel-Bremser‘ nüscht, weil sie das Karussel so weder anhalten, geschweige denn abschaffen werden – sich statt dessen darauf fixiert aber erschöpfen werden, bis sie so oder so loslassen müssen.
Da mittlerweile auch Bürgermeister, Dorfrichter wie Pedell sich auf die Seite der Kirmesbetreiber geschlagen haben (sie beziehen nämlich Freifahrtscheine für etliche Attraktionen), ist eine wie auch immer begründbare Einstellung dieses Betriebs unmöglich geworden!
Um diesen in Gang zu halten, ist natürlich jede Menge Energie vonnöten.
Dazu hat man schon den Hauswald verheizt und jetzt ist man bereits dabei die eigenen Häuser vom Holz zu entkernen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, ja – manche mussten schon dazu übergehen die Bretter vor der eigenen Rübe abzureißen und zu verheizen!
Letztere erkennen manchmal, welchen Preis die Sause von ihnen forderte, aber dann ist es bereits zu spät!
Nun werden sogar vereinzelte Karussels für den Betrieb besonders gewinnträchtiger Karussels verheizt.
Aber schon bald wird das letzte Karussel auch still stehen.
Und dann werden die Kinder neu lernen müssen, wie man sich selbst, auf den eigenen Füßen im Reigen dreht…

tl;dr:
‚Aufklärung‘, selbst die tatsächlich richtige, kann nur noch warten, bis dem Kirmesbetrieb der Saft ausgeht!
Nach Holz, Kohle, Öl, Gas, Atom, ja sogar Wind und Sonne, kommt – die sogenannte ‚Null-Energie‘, die aber – anders als gedacht – ihrem Namen alle Ehre machen wird, indem sie wortwörtlich eintritt: NULL Energie mehr.

Tip: Schlussbilder des Filmes ‚Die Unfassbaren‘ mal genauer unter die Lupe nehmen!!!

Apropos ‚Karussell‘ – interessante Verquickung:

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Zauberkarussell

 

6 Kommentare

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6 Antworten zu “Ringelreihen-Karussell-Tänze

  1. ponca12

    Da ist sie wieder, diese ach so süsse Melancholie – eine Mischung zwischen Sehnsucht nach unbeschwerten Kindertagen und der traurigen Gewissheit, dass wir schon damals verarscht wurden… .

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  2. Null Energie für alle. Yippieeee…

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  3. nick.mott

    Null-Energie:
    Null Energie für neue Ideen oder auch nur Nachfragen.
    Null Energie um sich selbst vom System abzukoppeln.
    Null Energie für auch nur eine einzige echte Diskussion.
    Null Energie für Kooperation untereinander bei den Gefi**ten.
    Null Energie für ein Bewusstsein der Komplexität der Problematik.
    Null Energie für ein Erarbeiten des Verständnisses eben dieser Komplexität.
    – weil jede Menge Energie verschwendet wird, um am Posertainment teilzunehmen und all die Abschattungsmaßnahmen gegen einen Anflug von Intellekt zu betreiben.
    DAS ist es was ich JETZT schon beobachten muss.
    Wenn dann das Titty-Trottel-Tinnef-Tainment tatsächlich abrauscht mangels echter Energie (weil jemand hinterfotzigerweise am Trafo rumspielt), wird die blöde Gafferei monströs werden und die Maulsperrenwinkel neue Guiness-Rekorde jagen.
    Prepare, be aware and you don´t care.
    Schade um all diejenigen und deren Energie, die sich tatsächlich mühten jener unverbesserbaren Brut des Bleating-binging-baggage eine realistische Zukunftserwartung zu vermitteln.
    Angesichts des Desinteresses am eigenen Bestand dieser kommt zeitweise ein gewisses Verständnis für die ‚Vieheinstufung‘ durch die ‚EL-ite‘ auf.

    Und: nein, das ist keine mindfuck-Blase – das ist schlicht und einfach konsequente Analyse verfügbarer Informationen, die bis heute von noch keinem Einzigen derer, die sich darüber amüsieren, ernstzunehmend widerlegt worden wäre.
    Banal ungläubig sich geben ist eben supersimpel und viel entspannender – logisch stringent und fundiert zu prognostizieren – äh – genau, wegen Energiemangel (s.o.) – is nich…

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  5. Extremschlechtmensch