Fakten und Belege über die Hintermänner des bolivianischen Putsches gegen Evo Morales

Mit Freude (und Erlaubnis) darf ich geschätzter DWB-Leserschaft ein erstklassiges Meisterwerk investigativen Journalismus seitens thegrayzone.com in einer hervorragenden Übersetzung der Linken Zeitung ins Deutsche anbieten.

Wer DWB schon länger verfolgt, weiss, dass ich seit Jahren die Geschehnisse in Südamerika, und im besonderen in Bolivien verfolge. Allen anderen empfehle ich meinen Artikel „Geld regiert die Welt! – Dreckskapitalismus Teil I„, wo ich zudem in einem mehrfach editierten Kommentar auch alles Wesentliche zu den aktuellen Geschehnissen in Bolivien – exkl. des hier folgenden Meisterwerks – zusammengefasst habe.

Dies Meisterwerk ist zwar ziemlich lang, aber alle, die wirklich verstehen wollen, was in Bolivien zur Zeit wieso abläuft, müssen diesen Artikel im Detail studieren.

Ich übergebe nun das Wort an den Autor Jeb Sprague…


Alle Hintermänner des bolivianischen Putsches gegen Evo Morales und dessen Regierung waren Absolventen der School of the Americas, die als Attachés in FBI-Polizeiprogrammen dienten.

Kommandanten des bolivianischen Militärs und der Polizei halfen bei der Planung des Putsches und garantierten den Erfolg. Diese Untersuchung zeigt, dass sie für den Aufstand durch berüchtigte Trainingsprogramme des US-Militärs und des FBI ausgebildet wurden.

Die USA spielten eine Schlüsselrolle beim Militärputsch in Bolivien, und zwar auf eine direkte Weise, die in Berichten über die Ereignisse, die den gewählten Präsidenten des Landes, Evo Morales, am 10. November zum Rücktritt zwangen, kaum anerkannt wurde.

Kurz vor Morales‘ Rücktritt hat der Kommandant der bolivianischen Streitkräfte Williams Kaliman „vorgeschlagen„, dass der Präsident zurücktritt. Einen Tag zuvor hatten sich Teile der Polizei des Landes aufgelehnt.

Obwohl Kaliman im Laufe der Jahre die Loyalität zu Morales vorgetäuscht zu haben scheint, zeigte er sein wahres Gesicht, sobald der Moment einer günstigen Gelegenheit kam. Er war nicht nur ein Akteur des Putsches, er hatte seine eigene Geschichte in Washington, wo er kurzzeitig als Militärattaché der bolivianischen Botschaft in der US-Hauptstadt gedient hatte.

Kaliman stand an der Spitze einer militärischen und polizeilichen Kommandostruktur, die von den USA durch WHINSEC, der militärischen Ausbildungsstätte in Fort Benning, Georgia, die in der Vergangenheit als School of the Americas bekannt war, im Wesentlichen gepflegt wurde. Kaliman selbst besuchte 2003 den Kurs „Comando y Estado Mayor“ an der SOA.

Mindestens sechs der wichtigsten Putschisten waren Ehemalige der berüchtigten School of the Americas, während Kaliman und eine weitere Persönlichkeit in der Vergangenheit als Militär- und Polizeiattachés Boliviens in Washington dienten.

Innerhalb der bolivianischen Polizei haben Spitzenkommandanten, die beim Start des Putsches geholfen haben, das APALA-Polizeiaustauschprogramm durchlaufen. APALA arbeitet von Washington DC aus und hat die Aufgabe, Beziehungen zwischen US-Behörden und Polizeibeamten aus lateinamerikanischen Staaten aufzubauen. Trotz seines Einflusses, oder vielleicht gerade deshalb, ist das Programm wenig öffentlich präsent. Seine Verantwortlichen waren für den Autor telefonisch nicht erreichbar.

Es ist üblich, dass Regierungen einige wenige Personen als Militär- oder Polizeiattachés an den Botschaften ihres Landes im Ausland einsetzen. Der verstorbene Philip Agee, ein ehemaliger CIA-Sachbearbeiter, der der erste Informant der Agentur wurde, erklärte in seinem 1975 erschienenen Buch, wie der US-Geheimdienst traditionell auf die Rekrutierung ausländischer Militär- und Polizeibeamter, einschließlich der Botschaftsattachés, als kritische Einflußnehmer bei Regimewechseln und Maßnahmen zur Bekämpfung von Aufständen setzte.

Wie ich aus den mehr als 11.000 FOIA-Dokumenten entnahm, die ich während meines Buches über die paramilitärische Kampagne, die im Vorfeld der Entlassung der gewählten Regierung Haitis im Februar 2004 und der Unterdrückung nach der Niederschlagung geführt wurde, schrieb, arbeiteten US-Beamte jahrelang daran, sich einzuschmeicheln und Verbindungen zur haitianischen Polizei, Armee und ehemaligen Armeeoffizieren herzustellen. Diese Verbindungen sowie die Rekrutierungs- und Informationsbeschaffungsmaßnahmen zahlten sich schließlich aus.

Auch in Bolivien war die Rolle der von den USA ausgebildeten Militär- und Polizeikräfte entscheidend, um einen Regimewechsel zu erzwingen. US-Regierungsstellen wie USAID finanzieren seit vielen Jahren offen Anti-Morales-Gruppen im Land. Aber die Art und Weise, wie die Sicherheitskräfte des Landes von den US-Geheimdiensten als Trojanisches Pferd eingesetzt wurden, ist weniger bekannt. Mit Morales‘ erzwungenem Abgang war es jedoch unmöglich zu leugnen, wie kritisch dieser Faktor war.

Wie diese Untersuchung zeigen wird, hätte der Putschplan ohne die begeisterte Zustimmung der Militär- und Polizeikommandanten des Landes nicht gelingen können. Und ihre Zustimmung wurde stark von den USA beeinflusst, wo so viele für den Aufstand vorbereitet und ausgebildet wurden.

Durchgesickertes Audio entlarvt School of the Americas Absolventen, wie sie einen Coup planen.

Auf der bolivianischen Nachrichten-Website la época (und von elperiodicocr.com und einer Reihe nationaler Medien) wurde berichtet, dass eine verdeckte Koordination zwischen aktuellen und ehemaligen bolivianischen Polizei-, Militär- und Oppositionsführern stattfand, um den Putsch herbeizuführen.

Die durchgesickerten Audioaufnahmen zeigen, dass der ehemalige Bürgermeister von Cochabamba und ehemalige Präsidentschaftskandidat Manfred Reyes Villa eine zentrale Rolle bei den Abläufen spielte. Reyes ist zufällig Alumni von WHINSEC (The School of the Americas [SOA]), der derzeit in den USA lebt.

Die anderen vier, die im durchgesickerten Audio vorgestellt werden oder sich namentlich vorstellen, sind General Remberto Siles Vasquez (Audio 12); Colonel Julio César Maldonado Leoni (Audio 8 und 9); Colonel Oscar Pacello Aguirre (Audio 14) und Colonel Teobaldo Cardozo Guevara (Audio 10). Alle vier dieser ehemaligen Militärbeamten nahmen an der SOA teil.

Cardozo Guevara rühmt sich besonders seiner Verbindungen unter den aktiven Offizieren.

Die Identität dieser Personen wird durch eine Gegenprüfung der Daten der Schools of Americas Watch Listen der Alumni mit Facebook und lokalen bolivianischen Nachrichtenartikeln sowie den durchgesickerten Audioaufnahmen bestätigt.

Die School of the Americas ist ein berüchtigter Ort der Ausbildung lateinamerikanischer Putschisten, die auf den Höhepunkt des kalten Krieges zurückgehen. Brutale Regimewechsel- und Vergeltungsaktionen von Haiti bis Honduras wurden von SOA-Absolventen durchgeführt, und einige der blutigsten Juntas in der Geschichte der Region wurden von den Alumni der Schule geleitet.

Seit vielen Jahren veranstalten Anti-Kriegsprotester eine Protestwache vor dem SOA-Hauptquartier auf der Militärbasis Fort Benning in der Nähe von Columbus, Georgia.

Eine Protestwache vor der School of the Americas in Fort Benning.

Der Anführer dieser Proteste, Pater Roy Bourgeois, hat die SOA beschrieben als:

„Eine Kampfschule. Die meisten Kurse drehen sich um das, was sie als Kriegsführung gegen Aufstände bezeichnen. Wer sind die Aufständischen? Diese Frage müssen wir uns stellen.

Sie sind die Armen. Es sind die Menschen in Lateinamerika, die Reformen fordern. Es sind die landlosen Bauern, die hungrig sind. Es sind Gesundheitsfachkräfte, Menschenrechtsverteidiger, Gewerkschaftsorganisatoren, die zu Aufständischen werden, sie werden als El Enimigo, der Feind angesehen. Und sie sind diejenigen, die zu den Zielen derer werden, die ihren Unterricht an der School of the Americas nehmen.“

Bourgeois wurde 1977 aus Bolivien deportiert, als er sich gegen die Menschenrechtsverletzungen von Gen. Hugo Banzer aussprach, einem rechten Diktator, der durch einen von den USA unterstützten Putsch an die Macht kam, der eine linke Regierung stürzte. Die Geschichte wiederholt sich heute, als Banzers ideologische Erben einen anderen sozialistischen Führer durch bewährte Destabilisierungstaktiken von der Macht vertreiben.

In den kürzlich durchgesickerten Audioaufnahmen diskutieren Putschisten Pläne, Regierungsgebäude in Brand zu setzen, unternehmensfreundliche Gewerkschaften im Land dazu zu bringen, Streiks durchzuführen, sowie andere Taktiken – alles direkt aus dem CIA-Playbook.

In der durchgesickerten Audioaufnahme wird auch darauf hingewiesen, dass der Putschversuch von verschiedenen evangelischen Gruppen sowie vom kolumbianischen Präsidenten Iván Duque, dem ehemaligen kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe und vor allem vom neofaschistischen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro unterstützt wird.

Die Plotter erwähnen auch die starke Unterstützung der ultra-rechten US-Senatoren Bob Menéndez, Ted Cruz und Marco Rubio, der das Ohr von US-Präsident Donald Trump haben soll, wenn es um die US-Außenpolitik in der westlichen Hemisphäre geht.

Militär- und Polizeiattachées in DC: Ein Nährboden für die Vernetzung von US-Geheimdienstnetzwerken.

Da sich in den letzten Wochen Spannungen aufgebaut haben, war es der Generalkommandant der bolivianischen Polizei, Vladimir Yuri Calderón Mariscal, der die Pattsituation durchbrach, indem er große Teile der Polizei am 9. November, nur einen Tag vor dem Rücktritt von Morales, zum Aufstand veranlasste.

Damaliger Col. Vladimir Yuri Calderón Mariscal (dritter auf der linken Seite) mit anderen APALA-Beamten im Jahr 2018.

Im Jahr 2018 war Calderón Mariscal Präsident der Police Attachés of Latin America in the United States of America (APALA) mit Sitz in Washington DC.

APALA wurde als ein „multidimensionales Sicherheitsprogramm“ beschrieben, das darauf abzielt, Beziehungen und Verbindungen zwischen US-Behörden und Polizeibeamten vieler Mitglieder der Organisation der Amerikanischen Staaten aufzubauen.

Bei der Gründung von APALA im Jahr 2012 traf sich der damalige OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza (Mitte im Bild unten) mit der Leitung der Gruppe.

Heute beherbergt APALA Polizeiattachés aus zehn Ländern: Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Chile, Ecuador, El Salvador, Panama, Peru, Mexiko und die Dominikanische Republik.

Laut der Facebook-Seite wurde die Gruppe „mit dem Ziel gegründet, Verbindungen von Solidarität, Freundschaft, Zusammenarbeit und Unterstützung zwischen den Mitgliedern der Gruppe und ihren Familien durch soziale und kulturelle Aktivitäten zu schaffen, die eine integrale Entwicklung ermöglichen“.

Sie behauptet, die „Integration und den Austausch der sie bildenden Polizeiinstitutionen zu erleichtern und den Austausch erfolgreicher Erfahrungen der verschiedenen Polizeikräfte Lateinamerikas zu fördern“.

Foto von Calderón Mariscal (Mitte-Rechts) an der FBI-Ausbildungsakademie, die 36 Meilen außerhalb von Washington, DC liegt.

Eine mysteriöse Organisation, APALA hat ihre Website www.ApalaUSA.com geschlossen und nimmt keine Telefonate mehr an. Sie fungiert in gewisser Weise als Arm der US-Bundesbehörden als seine Social-Media-Plattform und zeigt nun auf einer nicht mehr funktionierenden Website zahlreiche Treffen und Fotos von APALA-Beamten und Teilnehmern neben FBI, DEA, ICE und anderen US-Beamten.

Wie Philip Agee in seinem Buch Inside the Company erklärte, verwendet die CIA oft andere US-Regierungsbehörden wie das FBI und USAID sowie verschiedene Front-Organisationen, um ihre geheimen Aktivitäten ohne Fingerabdrücke durchzuführen.

Unten: APALA-Teilnehmer in der FBI-Zentrale in Washington DC

Eines der wichtigsten lokalen Mitglieder von APALA ist Alex Zunca, ein Polizist in Baltimore, der Direktor für internationale Angelegenheiten der Hispanic National Law Enforcement Association mit Sitz in Washington, DC ist.

Die auf der inzwischen nicht mehr existierenden Website von APALA angegebene Adresse ist die gleiche wie die der Botschaft von Mexiko in Washington, DC. Die Gruppe wurde anscheinend aus der mexikanischen Botschaft geführt, zumindest zwischen 2017 und 2018, als ihre Website während der Verwaltung des US-freundlichen ehemaligen mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto aktiv war.

Interessanterweise ist ein Kollege von Calderón Mariscal und auch ein ehemaliger Präsident von APALA ein stellvertretender Minister der Bundespolizei von Mexiko namens Nicolás González Perrin.

Unten sieht man ihn neben einer mexikanischen Nationalflagge und einem FBI-Hut sitzen.

In einem Interview mit der Washington Hispanic, einer spanischsprachigen Zeitung mit Sitz in Washington, erklärte González Perrin 2017, „dass APALA dauerhaft Treffen mit den wichtigsten Bundesbehörden in den Vereinigten Staaten abhalten wird, „von INTERPOL bis DEA, ICE und FBI, die mit uns zusammenarbeiten, basierend auf gegenseitigen Bedürfnissen“.

Ein weiterer wichtiger APALA-Teilnehmer ist Hector Ivan Mejia Velasquez, die ehemalige Generalkommissarin der honduranischen Nationalpolizei, die brutale Operationen gegen Demonstranten in ihrem eigenen Land durchgeführt hat und regelmäßig anti-linksgerichtete Postings in sozialen Medien veröffentlicht.

Anrufe an den öffentlichen Kontakt von APALA, Alvaro Andrade Sejas, wurden nicht beantwortet. Meine Nachrichten an seine Nummer, die als in Rockville, Maryland, gelistet ist, gingen direkt zu einer Voicemail, die besagt, dass sie eingeschränkt war.

Andrade’s Linkedin-Profil besagt, dass er seinen Sitz in Panama hat und CEO eines Geldautomaten-Systems sowie Chief Executive Officer einer Gruppe ist, die sich auf die Beratung im Bereich Computer-Hacking spezialisiert hat.

Zuvor war Andrade Berater einer ecuadorianischen Gruppe, die sich mit forensischen Informationen beschäftigt und sich auf „Computerkriminalität und Computeraufklärung“ konzentriert, und davor arbeitete er für das bolivianische Telekommunikationsunternehmen Nuevatal PCS als Chief Information Security Officer.

Von 1998 bis 2002 besuchte er die Militärische Ingenieurschule Boliviens.

APALA – dessen Facebook-Seite Andrade zu funktionieren scheint – hat auch mit anderen bolivianischen Polizeibeamten zusammengearbeitet, wie z.B. mit einer weiteren von Boliviens Polizeiattachés Heroldina Henao.

Der andere wichtige Beamte, der dazu beigetragen hat, den Putsch vom 10. November herbeizuführen, ist General Williams Kaliman, der derzeitige Chef des bolivianischen Militärs. Im Jahr 2013 diente er als Militärattaché für die Botschaft seines Landes in Washington D.C.. Ein Jahrzehnt zuvor (wie bereits erwähnt) nahm er an einer Schulung in der SOA teil.  Über seine Zeit in den Vereinigten Staaten ist wenig bekannt.

General Williams Kaliman, Leiter des bolivianischen Militärs.

Zu verschiedenen Zeiten scheinen sowohl Kaliman als auch Calderón Mariscal entweder der verfassungsmäßigen Regierung treu geblieben zu sein oder ihr die Loyalität vorgetäuscht zu haben, haben sich aber letztendlich von ihr getrennt oder wurden im Laufe der Zeit von der Durchführung eines Militärputsches überzeugt.

Der entthronte Präsident Morales seinerseits hat behauptet, dass einem Mitglied seines eigenen Sicherheitsteams 50.000 Dollar angeboten wurden, um ihn zu verraten.

Der Staatsstreich vom 10. November kam nicht aus dem Nichts. Ereignisse, die sich in Bolivien ereignet haben, sind eng mit den Bemühungen der USA verbunden, Militär- und Polizeikräfte im Ausland durch Programme wie SOA und APALA zu beeinflussen.

Währnd US-Präsident Donald Trump auf einen „bedeutenden Moment für die Demokratie in der westlichen Hemisphäre“ jubelt, stehen die Bolivianer plötzlich unter der Kontrolle des de facto Militärregimes.

 

           Jeb Sprague

Jeb Sprague ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of California, Riverside und lehrte zuvor an der UVA und UCSB. Er ist Autor von “Globalizing the Caribbean: Political economy, social change, and the transnational capitalist class” (Temple University Press, 2019), “Paramilitarism and the assault on democracy in Haiti” (Monthly Review Press, 2012) und Herausgeber von “Globalization and transnational capitalism in Asia and Oceania” (Routledge, 2016). Er ist Mitbegründer des Network for the Critical Studies of Global Capitalism. Besuchen Sie seinen Blog unter: http://jebsprague.blogspot.com


DWB dankt Jeb Sprague und der Linken Zeitung, und empfielt überdies – obwohl bereits im letzten Nachtrag des eingangs erwähnten Kommentars ergänzt – allen den folgenden Artikel aus der Feder von Max Blumenthal und Ben Norton, von welchem zwar eine Deutsche Übersetzung existiert, welche jedoch nicht hinreichend ist, weshalb hier auf das englschsprachige Original verwiesen wird, in Gänze zu studieren:

15 Kommentare

Eingeordnet unter Bewusstsein, Bilder, Bildung, Dreckskapitalismus, Freiheit, Gastbeiträge, Geopolitik, Korruption, Kriegstreiber, Menschen, Recht

15 Antworten zu “Fakten und Belege über die Hintermänner des bolivianischen Putsches gegen Evo Morales

  1. Das alles ist sicherlich wahr, aber man muss auch dem Evo Morales vorwerfen, dass er zu blöd war, um Maßnahmen gegen all diese Leute zu ergreifen und zu machtgierig, um ordentlich abzutreten und stattdessen eines seiner Vertraunsleute als Präsidentschaftkandidaten zu fördern. Er hat wohl außer Speicherleckern keine guten Leute um sich gehabt.

    Man muss klar sagen, das all diese linken Latino-Politiker selbst zu dumm, zu korrupt, zu selbstherrlich und strategische Dilletanten sind.

    Als Gegenbeispiel möchte ich Wladimir Putin nennen. Er ist unheimlich gebildet, unheimlich erfahren und hat die Verfassung nicht gebrochen, als er zwischendurch pausiert hat. Wladimir Putin hat sich ein starkes Umfeld von Mitarbeitern und Freunden aufgebaut, wo jeder ihn bei Bedarf ersetzen, aber seine Politik ungebrochen fortsetzen könnte.

    Evo Morales hat all dies nicht vermocht. Deshalb wurde er zu einem leichten Opfer der CIA. Wer weiß, vielleicht gibt es eine Rückkehr, wonach er intelligenter agiert, ohne direkt selbst Präsident zu sein.

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  2. @Enkidu

    Würde ich jetzt nach Deinem Stil ( „Themenfremde, sinnlose, inhaltslose, beleidigende, polemisierende Kommentare werden nicht geduldet und sofort gelöscht.“ ) verfahren wäre der Kommentar im Papierkorb gelandet.

    Abgesehen davon, hat er nicht vor, einfach so abzutreten. Im Gegenteil, hat er sich bereit erklärt, sofort wieder ins Amt einzutreten, sobald keine Gefahr mehr für Leib und Leben seiner Regierung besteht, wie das aktuell angesichts der faschistoiden Terrormilizen der Fall ist!

    „und stattdessen eines seiner Vertraunsleute als Präsidentschaftkandidaten zu fördern.“

    ISt totaler Bockmist! Anez ist weit entfernt von seinen Vertrauensleuten! Zudem hatte er eh nie vor das Amt niederzulegen, solange die grösstenteils indigene Bevölkerung ihn weiter als Präsident will.

    Das einzige was ich ihm vorwerfen kann, ist dass er zuwenig radikal gegen diese Terrorbanden vornehmlich in Santa Cruz und Cochabamba vorgegangen ist.

    Putin hat sicher Cojones und Rückgrat und ist als hochrangiger KGB-Offizier natürlich auch mit allen Wassern gewaschen – dennoch ist er nur eine hilfreiche Marionette im Auftrag der Kabale im Hintergrund (Details dazu siehe https://dudeweblog.wordpress.com/2014/12/28/die-neue-weltunordnung-historisch-aufgeschlusselt-und-durchleuchtet/ ).
    Er spielt das Links-Rechts-Theater zur Ablenkung der Massen hervorragend.
    Siehe dazu
    https://dudeweblog.wordpress.com/2016/01/09/darstellung-des-ostwest-paradigmas-und-der-versuch-zur-klaerung-des-generell-verfaelschten-weltbildes/
    &
    https://dudeweblog.wordpress.com/2015/12/30/nwo-ost-und-west-spielen-das-gleiche-spiel-der-versuch-eines-blicks-hinter-den-spiegel/

    Zudem ist er auch Freimaurer.
    http://web.archive.org/web/20140328114102/http://new.euro-med.dk/20140320-ist-putin-immer-noch-freimaurer.php

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  3. Warum sagst Du das. Im Grunde bestätigst Du in Deinem Kommentar, was ich an Evo Morales und vielen anderen Latinos bemängele.

    Warum hat er an der Macht geklebt?
    Warum hat er das Ergebnis des Referendums misachtet?
    Warum ist der gegen die CIA-Marionetten nicht angemessen vorgegangen?
    Warum hat er kein Team von starken Leuten in seiner Administration gehabt?
    Warum hat er keinen alternativen Kanditaten ins Rennen geschickt?
    Warum hat er das Militär nicht unter Kontrolle gebracht?
    Warum hat er keine vertrauenswürdige Nationalgarde, die die staatlichen Institute gegen Putschisten verteidigt?
    etc. etc.

    Na weil Evo Morales kein guter Staatsman, sondern ein Dilletant ist, der am Sitz geklebt hat. Er ist halt ein dummer Bauer, der seine Fähigkeiten und Möglichkeiten völlig überschätzt hat. So jemand kann gegen die Profis der CIA nicht überleben.

    Schau, eine intelligente Ausnahme in Lateinamerika bildet Christina de Kirchner. Sie hat ihre Amtszeit ordentlich beendet. Die Argentinier waren blöd genug, einen Mauricio Macri als Marionette der CIA zu wählen und haben dafür die böse Quittung bezahlt. Nun sind die Peronisten mit Alberto Fernández als Präsident und Christina de Kirchner als Vizepräsidentin zurück an der Macht und müssen die Scherben auflesen. Nicht Christina hat Fehler gemacht, sondern das verblödete argentinische Volk.

    Tut mir leid, aber die Latinos sind wirklich nicht besonders helle. Sie lassen sich seit Jahrhunderten, ja sogar Jahrtausenden misbrauchen. Sie wissen gar nicht, wie ein Leben ohne Misbrauch aussehen könnte.

    Ich beschuldige nicht einfach die Bösewichten, sondern vielmehr diejenigen, die sich zu Opfern machen und in der Opferkultur gefangenbleiben.

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  4. Und noch was Dude.
    Ich beobachte seit Jahren, wie auch der Luftraum von Bolivien für die Klimakontrolle missbraucht wird. Deshalb habe ich unter anderem einen spezifischen Artikel über Lateinamerika geschrieben.

    Denkst Du etwa, dass dieser Bauer Evo Morales auch nur einen Hauch davon mitbekommen hat?

    Hat er er als Präsident den Luftraum von Bolivien vor Missbrauch der imperialenn Geoengineering-Industrie bewahrt?

    Hat er seine Bürger gegen diesen Missbrauch verteidigen können?

    Natürlich nein, denn er ist und bleibt ein dummer Bauer und war niemals wirklich ein König oder ein General auf dem Turm oder im Feld. Im Schachspiel werden die Bauern zuerst geopfert.

    Evo ist keine Träne des Bedauerns wert.

    Für Bolivien ist diese Putsch eine große Katastrophe. Das Land braucht jemand mit Rückgrat und Entschlossenheit, um die Putschisten wieder loszuwerden und CIA entgültig aus dem Land zu werfen.

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  5. Weil es gesagt werden musste!

    „Warum hat er an der Macht geklebt?“

    Bereits beantwortet. Von Kleben kann nicht die Rede sein. Lies nochmal richtig. Siehe auch meinen Artikel zu Dreckskapitalismus und den ebenfalls im Artikel verlinkten Kommentar.

    „Warum hat er das Ergebnis des Referendums misachtet?“

    Hat er nicht. Du hast offenbar ne Bildungslücke.
    Das höchste Gericht hat ihn im Amt bestätigt nach dem Referendum bzgl. der Amtszeiten und die Mehrheit des Volkes fand das gut und stand hinter ihm.

    „Warum ist der gegen die CIA-Marionetten nicht angemessen vorgegangen?“

    Bin ich auch schon drauf eingegangen oben.. das einzige was man ihm – neben der Kuschelei mit der UN – wirklich ankreiden kann.

    „Warum hat er kein Team von starken Leuten in seiner Administration gehabt?“

    Hat er wohl. Im Gegensatz zu dieser Maduro-Pfeiffe in Venezuela.

    „Warum hat er keinen alternativen Kanditaten ins Rennen geschickt?“

    Weil das Volk bzw. dessen Mehrheit keine Alternative wollte. Garcia hätte überehmen können wie da bei der Charade in Russland mit Putins Ziehsohn Medjedwes lief, aber Morales steht über lächerlichen Charaden…

    „Warum hat er das Militär nicht unter Kontrolle gebracht?“

    Die hatte er unter Kontrolle. WEshalb sich das geändert hat, steht im Artikel und in den Links hier. Evtl. genauer lesen (v.a. auch die Leseempfehlung ganz am SChluss), dann merkst das auch noch…

    „Warum hat er keine vertrauenswürdige Nationalgarde, die die staatlichen Institute gegen Putschisten verteidigt?“

    Das wäre nicht zweckdienlich gesesen. Aber er hätte Milizarmeen aus den einfachen Bürgern bewaffnen und aufbauen sollen in den renitenten Provinzen wo die Unterwanderung v.a. vonstatten ging. Santa Cruz und Cochabamba. Der Kritikpunkt geht aber Hand in Hand mit >>>“Warum ist der gegen die CIA-Marionetten nicht angemessen vorgegangen?“

    Bin ich auch schon drauf eingegangen oben.. das einzige was man ihm – neben der Kuschelei mit der UN – wirklich ankreiden kann.<<<

    "Schau, eine intelligente Ausnahme in Lateinamerika bildet Christina de Kirchner. "

    Dann hast Du offensichtlich keine Ahnung, dass der Kirchner-Clan auch viel Dreck am Stecken hat. Aber darauf bin ich auch schon im Geld regiert die Welt-Artikel der hier im artikel-intro verlinkt ist eingegangen.

    "Die Argentinier waren blöd genug, einen Mauricio Macri als Marionette der CIA zu wählen und haben dafür die böse Quittung bezahlt."

    Mit Blödheit hat das nix zu tun, auch wenn man es natürlich so sehen kann. Mir war schon vor der Macri-Rattes Wahlsieg klar, dass der 1. Präser wird, und 2. die totale Katastrophe fürs Land werden wird, und habe wie fast immer recht behalten. Es hat eben damit zu tun, dass die Argentinier im Gegensatz zu Dir genau wissen, welchen Dreck der Kirchner-Clan am Stecken hat. Dumm hald, wenn man zwischen Teufel und Beelzebub wählen kann…
    Abgesehen davon war Macri eher ein Agent bzw. Lakai des IWF denn der CIA.

    "Tut mir leid, aber die Latinos sind wirklich nicht besonders helle. Sie lassen sich seit Jahrhunderten, ja sogar Jahrtausenden misbrauchen. Sie wissen gar nicht, wie ein Leben ohne Misbrauch aussehen könnte."

    Tja, da magst Du recht haben. Bloss sind sie nicht blöder wie die Europäer, Asiaten, Afrikaner etc. Das ist das blöde… die einzigen die den Wahnsinn durchschauen werdne nicht wahrgenommen, bewusst ignoriert, belächelt oder bekämpft… weil es die Ausnahmen sind, und die depperten Lämmer letztlich die Mehrheiten in allen sogenannten Demokratien ( https://dudeweblog.wordpress.com/2014/04/16/demokratie-ist-vergangenheit/ ) bilden (vgl. Mausfeld https://dudeweblog.wordpress.com/2015/10/08/warum-schweigen-die-laemmer-techniken-des-meinungs-und-empoerungsmanagements/ )

    "Denkst Du etwa, dass dieser Bauer Evo Morales auch nur einen Hauch davon mitbekommen hat?"

    Nein.

    "Hat er er als Präsident den Luftraum von Bolivien vor Missbrauch der imperialenn Geoengineering-Industrie bewahrt?"

    Nein, weil oben drüber nein. 😉

    "Hat er seine Bürger gegen diesen Missbrauch verteidigen können?"

    Wie sollte er das können, wenn er keinen Hauch davon mitbekam?

    "er ist und bleibt ein dummer Bauer und war niemals wirklich ein König oder ein General auf dem Turm oder im Feld. Im Schachspiel werden die Bauern zuerst geopfert."

    Er ist ein Bauer – aber keineswegs dumm. Es lag – ähnlich einem Mujica in UY – ihm fern, sich als König oder General zu gebieren. Er war ein Mann des Volkes. Man kann ihm also höchstens Gutmütigkeit und Naivität vorwerfen. Das ist eine Stärke der Latinos (ich habe fast ein ganzes Jahr in Südamerika gelebt und es selbst erfahren), die bewundernswert ist, und von der sich noch manch Doofländer oder Terrorhelvetier ne dicke Scheibe abschneiden könnte. Leider ist sie auch ausnutzbar durch Infiltration… das ist das traurige daran.

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  6. In der Welt der CIA ist Naivität ein Luxus, den man sich nicht leisten darf.
    Naive Bauern sind für hohe Posten nicht geeignet.
    Man braucht harte und gebildete Menschen.
    Sie müssen auch verschlagen, gnadenlos sein, um mit verschlagenen und gnadenlosen Gegnern umgehen zu können.
    Ein Staatsführer darf seine Niederlage nicht mit Naivität entschuldigen.
    Ich denke aber, dass die Putschisten sich nicht lange halten werden.
    Sie werden einen hohen Preis für ihren Landesverrat zahlen.
    Nicht Morales, aber ein echter Staatsmann wird ihnen die erforderliche Lektion erteilen. Mal schauen wer dieser Mensch sein wird.
    Morales hat bekommen, was er verdient hat.
    Er persönlich ist schuld an dieser Entwicklung.

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  9. Gabi

    Guten Tag,
    das ist ja alles sehr interessant. Nur die Gretchenfrage (Cui bono?) wird ausgelassen!
    Ein paar Tage später wurden die staatlichen Li-Minen privatisiert! Honi soit qui mal y pense! 🙂
    Gruss,
    Gabi

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  10. Ebensolch guten Tag, werte Gabi!

    Nunja, wer profitiert? Das erschliesst sich Kundigen doch logisch.
    Sind ja auch immer die gleichen, und über jene wurde hier bei DWB schon viel publiziert.
    z.B. im Speziellen https://dudeweblog.wordpress.com/2015/03/30/jasinna-durchleuchtet-die-kriegstreiberei-ideologien-des-imperialistischen-hegemons/
    oder auch im Allgemeinen https://dudeweblog.wordpress.com/2014/12/28/die-neue-weltunordnung-historisch-aufgeschlusselt-und-durchleuchtet/

    Beste Grüsse

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  11. Gabi

    Hallo Dude,

    danke für Deine Antwort.

    Ansonsten einfach mal „Quantum of Solace“ gucken. Da geht es auch via Haiti in eine Wüste nach Südamerika (Ressourcen!).

    Man wird ja entsprechend programmiert, damit das Geschehen auf dem Planeten im Gehirn als normal eingestuft wird 🙂

    Als problematisch empfinde ich das alles aber nicht; seit Jahrhunderten besteht ein Kampf um die Rohstoffe. Nur die Mittel ändern sich. Dass die bösen Reichen immer die lieben Armen ausbeuten, wäre aber wirklich nur linkes Geschwätz.

    Gruss,
    Gabi

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  12. Ein lesenswerter Artikel des geputschten Vice-Presidenten Álvaro García Linera:
    „Vice-president Álvaro García Linera reflects on the role of racial hatred in motivating the coup which forced him and President Evo Morales out of office and into exile

    Almost as a nighttime fog, hatred rapidly traverses the neighborhoods of the traditional urban middle-class of Bolivia. Their eyes fill with anger. They do not yell, they spit. They do not raise demands, they impose. Their chants are not of hope of brotherhood. They are of disdain and discrimination against the Indians. They hop on their motorcycles, get into their trucks, gather in their fraternities of private universities, and they go out to hunt the rebellious Indians that dared to take power from them.
    […]“
    https://www.globalresearch.ca/bolivia-coup-hatred-indian/5696519
    https://peoplesdispatch.org/2019/11/19/hatred-of-the-indian-by-alvaro-garcia-linera/

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  13. Das indigene Bolivien ist bereit, in den Krieg zu ziehen gegen den Faschismus.

    André Vltchek

    12. Dezember 2019

    Aus dem Englischen: Einar Schlereth
    Nach dem Staatsstreich

    Bolivien, Dezember 2019, drei Wochen nach dem faschistischen Staatsstreich. Es ist teuflisch kalt. Das Auto meines Kameraden navigiert vorsichtig durch die tiefen Schlammwege. Enorme schneebedeckte Berggipfel sind in der Ferne gut sichtbar.

    Der bolivianische Altiplano; geliebt, aber immer irgendwie feindlich, still, undurchdringlich.

    So oft, in der Vergangenheit, bin ich hier dem Tod nahe gekommen. Sowohl in Peru als auch in Bolivien. In Peru häufiger.

    Nun, was ich tue, ist total verrückt. Als Unterstützer von Präsident Evo Morales von Anfang an bis heute darf ich nicht hier sein, in Bolivien, im Altiplano. Aber ich bin es, denn diese Lehmhütten links und rechts, sind mir so vertraut und so lieb.

    Mein Kamerad ist ein bolivianischer Bauer, ein Einheimischer. Seine Hände sind rot, rauh. Normalerweise redet er nicht viel, aber nach dem Putsch kann er nicht aufhören zu reden. Dies ist sein Land, das Land, das er liebt und das ihm, seiner Frau und seinen Kindern gestohlen wurde.

    Wir können hier beide draufgehen, und wenn schon, das ist das Leben; wir kennen das Risiko und wir nehmen es gerne auf uns.

    Carlos (nicht sein richtiger Name), mein Fahrer und ein Freund, erklärte:

    „Ich rief sie, die Ältesten, und sie sagten, es sei in Ordnung, dass du kommst. Ich habe ihnen deine Essays geschickt. Weißt du, die Leute hier lesen jetzt, sogar tief im Hinterland – in den Dörfern. Nach 14 Jahren Regierung von Evo ist das gesamte Land durch das Mobilfunknetz abgedeckt. Sie lesen deine Sachen, die ins Spanische übersetzt wurden. Sie mochten, was sie lasen. Sie haben zugestimmt, dir eine Erklärung zu geben. Aber sie sagten: „Wenn er nicht wirklich ein russisch-chinesischer linker Schriftsteller ist, sondern ein Camacho-Kumpel, werden wir seinen Kopf mit einem Stein einschlagen.“

    Camacho; Luis Fernando Camacho, ein Mitglied der faschistischen, von den USA unterstützten revolutionären nationalistischen Bewegung, und seit 2019 Vorsitzender des Bürgerkomitees von Santa Cruz. Ein Hauptgegner von Evo Morales, ein Mann, der sich während der bolivianischen Parlamentswahlen 2019 auf die Seite des Westens und dem dem verräterischen bolivianischen Militär (ausgebildet in den Vereinigten Staaten) stellte und am 5. November 2019 den Rücktritt von Evo forderte.

    Ich finde gut, was sie sagen. Wir werden gehen.

    Wir fahren hinauf, und dann, auf ca. 4.100 Metern über dem Meeresspiegel, wird es ebener. Eine neue, breite Straße wird gebaut. Natürlich ist es ein Projekt aus der Zeit der Evo-Präsidentschaft.

    Aber nicht nur auf den Straßenbau treffen wir überall. In jedem Dorf gibt es Wassertürme und Wasserpumpen und Wasserhähne. Wasser ist kostenlos, für alle. Es gibt Schulen, medizinische Zentren sowie Sportanlagen und sorgfältig gepflegte Felder.

    Die Fahrt ist lang und hart. Aber irgendwann sehen wir ein paar Busse und Autos, die auf der Spitze eines Hügels parken.

    Es gibt ein kleines Plateau und einen riesigen weißen Lautsprecher, der in der Mitte des Feldes sitzt.

    Überall auf dem Platz sind Menschen in bunten Kleidern verstreut: Männer, Frauen und Kinder. Eine Gruppe von Ältesten sitzt in einem geschlossenen Kreis. Sie singen, und ihr Appell wird vom Lautsprecher übertragen. Sie wenden sich an das, was ihnen heilig ist: Mutter Erde. Sie brauchen Kraft, um weiterzumachen, zu kämpfen, sich zu verteidigen.

    Ich werde zuerst von den Leuten „gescannt“ und darf mich erst dann an die Ältesten wenden. Ich erkläre, wer ich bin, und bald sind die Formalitäten erledigt

    „Sie können Aufnahmen machen, aber aus Gründen der Sicherheit nicht unsere Gesichter auf“, wird mir gesagt. „Aber später kannst du das Publikum filmen.“

    Bald danach setze ich mich hin und sie beginnen zu reden:

    „Die Situation, in der wir heute in unserem Land, in den Gemeinschaften hier oben, in den Andengemeinschaften leben, ist sehr schwierig. In Wirklichkeit fühlen wir uns frustriert, oft verlassen, weil wir uns während der vorherigen Regierung unter der Leitung von Präsident Evo Morales als Bauern und Einheimische sehr wohl gefühlt haben. Auch wenn wir manchmal nicht allzu viel Hilfe erhalten haben, ist die Regierung, der Präsident Evo Morales, von unserem eigenen Blut, aus unserer eigenen Klasse. Aus diesem Grund haben wir ihn unterstützt. Und wir unterstützen ihn weiterhin.“

    „Und das, was wir haben, ist jetzt eine Regierung – eine Diktatur. Sie sagen das Gegenteil, aber es ist eine faschistische Regierung. Es ist eine Regierung, die Wiphala, unser Symbol, verbrennt. Es entehrt uns. Wir fühlen uns gedemütigt, wir fühlen uns diskriminiert. Aus diesem Grund erkennen wir, dass wir nicht scheitern können; wir können hier nicht so bleiben, wir werden weiter kämpfen. Es wird Wahlen in unserem Land geben, und wir werden weiterhin diese eine Person unterstützen, die unseren Namen erhöht hat; den Namen der Ureinwohner, der Arbeiter, der Werktätigen und der Armen.“
    „Zuerst werden wir zu den Wahlen gehen, wenn es denn Wahlen geben wird. Wir werden gehen und unsere Leute, unsere Führungskräfte unterstützen. Falls sie Wahlbetrug verursachen, dann ja, werden wir uns erheben!“

    Ich sagte ihnen, dass ich ihr Land und Altiplano seit mehr als 25 Jahren kenne. Alles hat sich geändert. In die Dörfer, die aus Lehmhütten bestehen, kam neues Leben. Sie wachten auf, begannen zu blühen. Das Wasser für alle begann durch die von der Regierung gelegten Leitungen zu fließen. Es wurden moderne Krankenwagen eingesetzt wie überall im ganzen Land. Gesundheitszentren öffneten ihre Türen und Schulen wuden für Millionen Schüler errichtet, ebenso Berufschulen. Es wurden neue Straßen gebaut. Die Regierung förderte den ökologischen Landbau.

    Bolivien, seit Jahrzehnten und Jahrhunderten unter einer monströsen Apartheid lebte, wurde ausgebeutet, erniedrigt und ständig beraubt, ist aber in kurzer Zeit wieder auf die Beine gekommen.

    Ich habe ihnen erzählt, wie ich in den 90er Jahren immer wieder aus Peru hierher kam, einem Land, das vom sogenannten „Dreckigen Krieg“ verwüstet war, den ich in meinem Roman „Point of No Return“ beschrieben habe. Peru war schrecklich zerstört, aber hier, in Bolivien, waren die Menschen halbwegs gesund. Es gab keine Hoffnung, nur stilles, erschreckendes Elend.

    Jetzt ist Bolivien, einst das ärmste Land Südamerikas, Peru weit voraus, das Land, das durch das neoliberale Wirtschaftsmodell unerbittlich ausgesaugt wurde und das immer noch rassisch und sozial extrem gespalten ist.

    Ich fragte die Ältesten, ob sie dem zustimmen würden. Das taten sie.

    „Sicherlich. Denn mit eigenen Augen haben wir enorme wirtschaftliche Veränderungen erlebt und erlebt, wie Bolivien aufstieg und nach 14 Jahren diese gesamte lateinamerikanische Region überholte.“

    Dann filmte ich und fotografierte.

    Bevor wir losfuhren, näherte sich eine ältere Frau dem Auto und schrie etwas in einer Landessprache.
    Carlos übersetzte:

    „Wir werden alle jene bösen Wesen bekämpfen, die sich zu unseren Herrschern erklärt haben. Wenn sie nicht verschwinden, werden wir bald wieder die Straßen zwischen El Alto und La Paz schließen, und sie werden ihren eigenen Kot fressen müssen. Unser Volk wird nie wieder besiegt werden. Sag das, wohin du auch gehst!“

    Ich sagte, dass ich es tun werde.

    1971 veröffentlichte der große uruguayische Schriftsteller, Journalist und Dichter Eduardo Galeano sein Buch «Die offenen Adern Lateinamerikas» (Open Veins of Latin America, das bald zum wichtigsten Buch für die lateinamerikanischen linken Denker und Revolutionäre wurde.

    In dem Buch, das regelmäßig auf dem ganzen Kontinent verbotern wurde, hat Galeano über die 500 Jahre monströser Plünderung, Betruges und Grausamkeit geschrieben, die von den Europäern und den Nord-Amerikanern an den Völkern Zentral- und Südamerikas begangen wurden. Einige der schrecklichsten Verbrechen wurden auf dem Gebiet des heutigen Boliviens begangen, insbesondere in den Silberminen der Stadt Potosi, die dazu beitrugen, Europa reich zu machen, aber woran zehntausende Menschen starben, als sie gezwungen waren, als Sklaven zu leben und zu arbeiten.

    Kurz bevor er starb, arbeitete ich mit Eduardo Galeano in seinem Café in der Altstadt von Montevideo.

    Es war während der hektischen Tage der „Pink Revolutions“ Welle. Wir feierten unsere Siege und teilten die Hoffnung auf die Zukunft.

    Aber irgendwann hielt Eduardo inne und sagte schlichr:

    „Weißt du, alle unsere Kameraden, die jetzt die Macht haben, müssen sehr vorsichtig sein. Sie müssen verstehen, dass die armen Menschen, die sie gewählt haben oder die sie unterstützt haben, als sie die Macht übernahmen, nur noch eine Sache in ihrem Leben haben, und das ist Hoffnung. Du nimmst ihnen die Hoffnung, und dann bleibt ihnen nichts mehr.. Sie der Hoffnung zu berauben, bedeutet, sie zu töten. Deshalb sage ich es ihnen immer, wenn ich unseren linken Führern begegne, und das tue ich sehr oft: Kameraden, vorsichtig, spielt nicht mit der Hoffnung! Versprecht den Leuten niemals, was ihr nicht halten könnt. Und haltet immer Wort.“

    Juan Evo Morales Ayma, der erste bolivianische indigene Präsident, verstand Galeano und seine Arbeit sehr gut. Er und seine Bewegung für den Sozialismus (MAS) haben das Vertrauen der Armen nie verraten. Deshalb wurde ihm vom Westen und von vielen Menschen, die aus der verräterischen bolivianischen Elite und dem Militär stammen, nie vergeben.

    Nach meinem Treffen mit den indigenen Führern bat ich Carlos, uns ohne besonderen Plan durch den Altiplano zu fahren. Ich wollte mit den Menschen sprechen, mit den Ärmsten der Armen Boliviens.

    An einem Punkt kamen wir in einem kleinen Dorf an. Ein Hund mit gebrochenem Bein begrüßte uns mit lautem, aber harmlosem Bellen. Es gab zwei Schafe in der Nähe des Eingangs zum Haus. Ein älterer Bauer, seine blinde Frau und eine Tochter arbeiteten auf dem Feld.

    Sie hatten keine Angst zu sprechen, auch nicht, um aufgenommen und fotografiert zu werden, solange ich versprach, ihre Namen nicht preiszugeben.

    Dem Bauern fehlte die Hälfte seiner Zähne, und er war seitwärts gebeugt, aber seine Gedanken und Worte waren klar:

    „Danke an Evo für alles. Es gibt seine Arbeit, und sie spricht für sich selbst; diese Straße, diese Infrastruktur. Sogar dieses kleine Haus, das wir haben, haben wir ihm zu verdanken.“

    „Hier wollen wir diese sogenannte Präsidentin Añez nicht. Sie will uns in die Irre führen, sie lügt uns an. Wir sind bei der MAS; alle von uns hier oben unterstützen die MAS entschieden. Wir unterstützen unseren Bruder Evo. Wir haben hier immer gelitten, aber Evo kam mit ausgezeichneten Projekten…. aber jetzt werden alle Fortschritte aufhören.“

    Die Tochter ist vielleicht 14 Jahre alt. Sie ist ein Produkt der Regierung von Evo. Ordentlich gekleidet, mit einer schönen Brille, spricht sie fließend. Sie spricht eine gut formulierte Sprache:

    „Diese Putschisten haben kein Mitleid mit uns. Sie haben auf uns geschossen, uns geschlagen, mit Gas geschossen. Sie haben unsere Frauen vergewaltigt. In letzter Zeit haben unsere Mütter, unsere Väter in La Paz sehr gelitten. Menschen wurden verletzt, Menschen starben, und das Militär und die Putschisten kennen keine Gnade. Wir wollen keine Sklaven sein, wie früher. Nach dem Putsch hat die neue Regierung schreckliche Dinge über unseren Präsidenten gesagt, Dinge, die uns überhaupt nicht gefallen. Wir wollen keine Sklaven sein und auch nicht von dieser neuen Frau und ihrem Volk verstoßen werden. Sie ist eine Rassistin. Die Wahrheit ist, dass sie äußerst rassistisch ist. Sie nennen uns „Indios“ und sagen Dinge über uns, die uns wütend machen. Sie diskriminieren uns auf alle möglichen Arten.“

    „Aber du verlierst die Hoffnung nicht?“ fragte ich.

    „Tue ich nicht“, lächelte sie. „Ich bin bei MAS. Und MAS wird siegreich sein. Wir werden diejenigen besiegen, die hinter dem Putsch stehen.“

    Wir fuhren los und fuhren auf die Hauptstraße zu.

    „Mach noch einmal Halt“, bat ich Carlos.

    Wir fuhren zufällig zu einer teilweise beschädigten Wohnung.

    „Was ist hier passiert?“ fragte ich.

    Die Familienmitglieder sprachen alle durcheinander:

    „Im November schickte Camacho mehrere Busse voll mit seinen Anhängern aus Potosi hierher. Sie kamen an und fingen an, uns zu verprügeln, uns zu beleidigen, unsere Tiere zu töten und unsere Häuser zu zerstören. Sie zwangen uns auf die Knie und banden unsere Hände hinter unserem Rücken. Sie warfen die schimpflichsten Namen uns an den Kopf. Sie haben uns gedemütigt. Sie sagten, dass es vorbei ist, dass wir jetzt wieder wissen, wohin wir gehören.“

    Ich fragte Carlos, ob er diese Geschichten schon einmal gehört habe. antwortete er, ohne nachzudenken:

    „Natürlich. Du kannst jeden hier oben fragen, und er wird bestätigen, was du gerade gehört hast.“

    Bevor wir nach La Paz, in El Alto, hinunterfuhren, bat ich Carlos, an mehreren Orten anzuhalten, wo im November Dutzende von Menschen starben, die die Hauptstadt als Protest gegen den Putsch blockierten, der Evo Morales in das Exil zwang.

    Die Einschusslöcher an den Häuserwänden waren alle noch da und deutlich sichtbar.. Es gab dort Blumen, wo Menschen gefallen waren. Bald, hoffentlich sehr bald, wird es Denkmäler geben.

    Die Graffitis in ganz El Alto, sprachen deutlich und laut:

    „Añez, wir werden dich verjagen – du Putschistin!“, „Añez – Diktator!“ und „Añez – Mörder!“.

    Erst vor einem halben Jahr erlebte ich in El Alto große Feste. Ich habe farbenfrohe Prozessionen gefilmt, Leute tanzten, es gab ein Feuerwerk. Ich bewunderte die neuen öffentlichen Plätze, die supermodernen Seilbahnen, die öffentlichen Schwimmbäder sowie die für Kinder angelegten Spielplätze.

    Nun liegt die Stadt wie ein Friedhof da. Es war unheimlich, still, düster.

    Der riesige Berg Illimani, das Symbol dieses alten Landes, war mit Schnee bedeckt. Er war jetzt schön, aber er ist immer atemberaubend, in guten Zeiten ebenso wie bei Katastrophen. La Paz, das in einem riesigen Krater liegt, war von oben gut zu sehen.

    „Die Yankees kommen“, sagte Carlos. „Weißt du, Añez hat volle diplomatische Beziehungen zu Washington wiederhergestellt. Und ihre Spione und Agenten überschwemmen die Botschaft; alle in Zivilkleidung, natürlich….“

    „Und ihr Rücken, der wird vonden verräterischen Militär Boliviens gedeckt“, sagte ich sarkastisch.

    Carlos schwieg eine Weile. Dann beschloss er zu sprechen:

    „Als ich jung war, war ich selbst beim Militär. In Cochabamba, weißt du, während der Wasserkrise und der Volksrebellion, die darauf abzielte, das Wasser kostenlos zu machen. Das habe ich dir nie gesagt. Das waren schwere Zeiten. Die Leute standen auf, und einige starben. Unsere Einheit bestand hauptsächlich aus einheimischen Soldaten. Die Offiziere waren weiß, fast alle waren es. An einem bestimmten Punkt haben wir wir sie wissen lassen, dass wir nicht auf unsere Brüder und Schwestern schießen würden. Sie schissen sich in die Hosen: die Hauptleute, der Oberst; du hättest sie sehen sollen: Sie liefen herum, in der Kaserne und draußen, ohne ihre Rangabzeichen. Weißt du, irgendwann, wenn sie uns gezwungen hätten, unser Volk zu töten, hätten wir uns geweigert und sie stattdessen abgeschlachtet.“

    „Sie wurden im Westen ausgebildet?“ fragte ich.

    „Viele, ja.“

    „Und jetzt Carlos? Was wird jetzt passieren?“

    Er begann zu flüstern, obwohl niemand in der Nähe zu sein schien:

    „Ich habe zwei Verwandte in der Armee. Ich habe vor ein paar Tagen mit einem von ihnen gesprochen. Es ist dasselbe wie damals, als ich in Cochabamba diente. Die oberen Ränge sind für die Yanquis, aber die Truppen, die meisten von ihnen, sind bei MAS; sie sind für Evo. Wenn es eine Meuterei gibt und es wird wohl bald eine geben, dann werden Añez, Camacho und ihre Gringo-Freunde etwas erleben!“

    Ich ging zum Mittagessen in das Luxushotel Suites Camino Real in La Paz. Ich musste „sie“ sehen, die andere Seite. Diejenigen, die exquisites Rindfleisch aus der Provinz Santa Cruz importieren, diejenigen, die es hier konsumieren, diejenigen, die jetzt feiern.

    Und feiern, das taten sie.

    Es fanden mehrere Partys gleichzeitig statt. Die Leute sprangen herum, umarmten sich gegenseitig, schrien wie verrückt. Alles weiß, alles „groß und schön“, alles blond, gefärbt oder echt. Der Wein floss.

    Die meisten Kellner waren Einheimische, gekleidet in westliche Kleidung, still und unsicher.

    Ich traf einen ehemaligen Spitzenökonomen in der Regierung von Evo, Ernesto Yañez, der zu einem bestimmten Zeitpunkt Vizepräsident der Zentralbank von Bolivien war. Es war sicher, sich hier zu treffen. Wir fanden eine ruhige Ecke, wo wir reden konnten:

    „Ich nenne natürlich das, was passiert ist, einen Staatsstreich. Es gab keine Wahlfälschung.

    Zweifellos waren die Jahre, in denen Evo an der Macht war, von großer wirtschaftlicher Stabilität geprägt. Besonders am Anfang gab es fast keine wirtschaftlichen Probleme. Die Armutsquote sank von 55% auf unter 30%. Die Lebensqualität hat sich dramatisch erhöht.“

    „Im relativ armen Bolivien sind die Armutsraten niedriger als im reichsten Land des Kontinents, Argentinien, nach der Herrschaft des neoliberalen Präsidenten Macri“, konnte ich nicht umhin zu erwähnen.

    „Ja, aber nach dem Putsch bricht die Wirtschaft hier zusammen“, sagte Ernesto Yañez.

    Vor einem halben Jahr war ich hier, und es gab heftige Streiks von Ärzten in ganz Bolivien. Viele von ihnen wurden vom Staat kostenlos ausgebildet, aber danach forderten sie ein neoliberales Gesundheitssystem, in dem Ärzte und Krankenschwestern unrealistisch hohe Gehälter erhalten würden. Viele kubanische Ärzte wurden von der Regierung im ganzen Land eingesetzt, um die medizinische Versorgung zu verbessern. Erzählte Ernesto Yañez und weiter:

    „Während der Regierung von Evo stiegen Millionen von Menschen von der unteren in die Mittelschicht auf. Die meisten von ihnen waren jung. Das heißt, vor dem Putsch und nach 14 Jahren MAS-Herrschaft hatten viele junge Mittelständler keine Ahnung, was es heißt, im Elend zu leben. Sie hielten alle Erfolge von Evo und MAS für selbstverständlich. Als dann bestimmte Schwierigkeiten auftraten, darunter die Verlangsamung der Wirtschaft nach 2014, sahen sie es als das Versagen der Regierung von Evo an.

    Weißt du, zum Beispiel die Ärzte, die du erwähnt hast; sie dachten, wenn sie die MAS stürzen, würden alle ihre Forderungen sofort von der rechten Regierung erfüllt werden. Die dachte natürlich nicht daran. Jetzt haben sie keine Ahnung, was sie tun sollen.“

    „Wie in Santa Cruz“, stimmte ich ihm zu. „Die Kraftstoff- und Gebrauchsartikelpreise steigen. Jetzt werden die Rechten erkennen, was es heißt, ihren Traum zu verwirklichen – ein neoliberales Regime. Sie werden ausgelöscht, verzweifelt.“

    Ernesto Yañez schloss:

    „Du weißt ja, dass Evo auch viele bolivianische Geschäftsleute reich gemacht hat. Das Land und seine Wirtschaft waren jahrelang sehr stabil. Bevor er an die Macht kam, waren die großenPlayer die Nordamerikaner, Europäer und Chilenen. Während seines Mandats wurden bolivianische Unternehmen bevorzugt. Bolivianische Eliten waren immer rassistisch, für sie war Evo „un Indio mas“ (nur ein weiterer Indio). Aber sie verbargen ihre Gefühle gut. Es liegt daran, dass Evo die Dinge gut gemacht hat. Er hat dieses Land zum Besseren verändert, fast für alle.

    „Aber jetzt sind die Dinge immer schlimmer geworden. Der neue Präsident kommt mit Bibel und Kreuz, verbrennt Wiphala, und Menschen sterben. Jetzt wollen die Indigenen Evo zurückhaben.“

    Und nicht nur die indigenen Menschen, obwohl fast alle Indigenen, die ich diesmal in Bolivien getroffen habe, so denken.

    Ich ging zur Plaza Murillo in La Paz, wo sich der Präsidentenpalast und der Nationalkongress von Bolivien befinden.

    Die Polizei und das Militär waren überall. Während der Regierungszeit von Evo war dies ein ruhiger, offener Ort, voll von grünen Bäumen, Kindern und Tauben.

    Vor dem Nationalkongress versammelten sich mehrere Damen in schöner einheimischer Kleidung und sprachen miteinander. Das waren Stellvertreter der MAS.

    Ich zog meine Kameras heraus und näherte mich ihnen. Sofort begannen sich mir Sicherheitskräfte in Zivil zu nähern, aber die beiden Damendeputierten machten mit den Armen Abwehrgesten, lächelten mich an und gaben den Sicherheitskräftezu versethen zu verschwinden: „Lass ihn in Ruhe, er gehört zu uns.“

    Ich wusste, dass wir keine Zeit haben, und ich fragte nur eines: „Sind wir standfest, Genossinnen?“
    Ohne zu zögern sagten sie:

    «Wir sind standfest. Sie werden uns nicht unterkriegen. MAS ist die legitime Regierung Boliviens.»

    Und das ist es, was ich von der Plurinationalen Republik Bolivien berichten kann:

    Das Land liegt unter Beschuss der Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten. Es wurde durch ihre verräterischen Kader, sowohl militärische als auch zivile, verwundet. Blut ist vergossen worden. Der legitime Präsident und der Vizepräsident befinden sich im Exil. Laut Reuters „sucht ein bolivianischer Minister bei Israel um Hilfe nach zur Bekämpfung des angeblich linken „Terrorismus““. Das heißt, die legitime Regierung.

    Aber das Land ist standhaft. Die Menschen liegen nicht auf den Knien. Zuerst wird abgestimmt, aber wenn es irgendwelche Tricks aus Washington oder von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gibt, wird es einen Kampf geben.

    Evo Morales und MAS haben die letzten Wahlen gewonnen. Es gibt absolut keine Möglichkeit, dass MAS nicht wieder gewinnen wird. Ich habe mit den Menschen gesprochen, und jetzt, noch mehr als früher, schließen sie sich der Bewegung zum Sozialismus an, die Bolivien zu einem der großartigsten Länder der westlichen Hemisphäre gemacht hat.

    Die indigenen Völker Boliviens und des restlichen Südamerikas sind keine Bettler oder Sklaven. Lange vor der Ankunft dieser brutalen religiösen Fundamentalisten und schlecht erzogenen Plünderer – der spanischen Eroberer – waren sie die Besitzer dieses schönen Landes. Ihre Zivilisation war viel größer als die ihrer Peiniger.

    Die Regierung von Evo hat viel mehr getan, als nur die soziale Situation in seinem Land zu verbessern. Er begann, 500 Jahre grausamer Ungerechtigkeit auf diesem Kontinent rückgängig zu machen. Er gab den Machtlosen die Macht. Er gab den Menschen, denen alles genommen worden war, ihren Stolz zurück.

    Washington zeigt deutlich, wo es steht. Trotz ihrer heuchlerischen „politischen Korrektheit“ steht sie auf der Seite des Rassismus, Kolonialismus und faschistischer Unterdrückung. Anstatt die Freiheit zu verteidigen, unterdrückt es die Freiheit. Anstatt die Demokratie zu fördern (was „Herrschaft des Volkes“ ist), vergewaltigt sie die Demokratie: hier in Bolivien und anderswo.

    Bis Bolivien wieder frei ist, sollte die gesamte freiheitsliebende Welt die Wiphala schwenken.

    Die Ältesten des Altiplano haben eine klare Botschaft an die Welt gesendet. Es werden Wahlen stattfinden, aber wenn das Volk seiner Regierung beraubt wird, wird es einen Aufstand und einen epischen Kampf geben.

    Traurigerweise, wenn es einen Kampf gibt, werden einige Leute unter die Erde kommen. Aber auch die Erde wird nicht untätig bleiben – sie wird sich ihrem Volk anschließen.

    Añez wird zusammen mit ihren kolonialistischen Symbolen bereits von der Mehrheit des bolivianischen Volkes verflucht, ebenso wie Camacho und mehrere andere Verräter. Aber vielleicht sind sie technisch gesehen gar keine „Verräter“. Ihre Loyalität gilt den Nationen, die diesen Teil der Welt angegriffen haben und ihn seit mehreren langen Jahrhunderten ausplünderten.

    Nach 500 Jahren der Qual und Erniedrigung umarmt die Mutter Erde, Pachamama, ihre Kinder. Evo und MAS brachten sie zusammen. Dies ist ein gewaltiger Moment in der Geschichte. Die Leute hier begreifen es. Europäische, rassistische Eliten begreifen es. Washington ist sich dessen wohl bewusst.

    Im Moment gibt es einen Augenblick der Stille; eine kurze.
    Wenn die faschistischen Staatsstreichführer nicht weichen, wird es einen gewaltigen Donner geben, und das Volk von Altiplano wird sich erheben, Wiphala in der Hand, unterstützt von ihrer alten, heiligen Erde.

    Erklärung von Che Guevara (Kuba) vor den Vereinten Nationen am 11. Dezember 1964

    Andre Vltchek ist Philosoph, Schriftsteller, Filmemacher und investigativer Journalist. Er hat Kriege und Konflikte in Dutzenden von Ländern behandelt. Drei seiner neuesten Bücher sind Revolutionärer Optimismus, Westlicher Nihilismus, ein revolutionärer Roman „Aurora“ und ein Bestseller der politischen Sachbücher: “ Lügen des Imperiums enthüllen“. Sehen Sie sich seine anderen Bücher hier an. Sehen Sie Rwanda Gambit, seine bahnbrechende Dokumentation über Ruanda und den Kongo und seinen Film/Dialog mit Noam Chomsky „On Western Terrorism“. Vltchek lebt derzeit in Ostasien und im Mittleren Osten und arbeitet weiterhin weltweit. Er ist über seine Website und sein Twitter erreichbar. Er schreibt speziell für das Online-Magazin „New Eastern Outlook“.

    Die ursprüngliche Quelle dieses Artikels ist Information ClearingHouse.
    Mit Hilfe von DeepLtranslator übersetzt.
    http://www.informationclearinghouse.info/52698.htm
    https://einarschlereth.blogspot.com/2019/12/das-indigene-bolivien-ist-bereit-in-den.html

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