100 Konsul-Tanten

Sicher wird sich die Enttäuschung in Grenzen halten, wenn sich beim weiteren Lesen herausstellt, daß jetzt keine launige „Story“ über die weitläufigen Verwandschaften von irgendwelchen diplomatischen Geschäftsträgern folgen wird.
Nein, es geht ganz trocken und penetrant um ein Kapitel jüngster russischer Geschichte, das vielen Menschen nach wie vor unbekannt ist: die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Viele Menschen wissen davon nur, daß 1991 die Sowjetunion zerfiel.

Das stimmt so natürlich nicht, sie wurde aktiv zerstört, und zwar nicht nur von Gorbatschow, sondern letztlich von Jelzin, Krawtschuk und Schuschkewitsch, den Präsidenten Rußlands, der Ukraine und Weißrußlands, am 8. Dezember 1991 mit der Gründung des Vereins „G.U.S.“ die Sowjetunion, für deren Erhalt sich bei einem allgemeinen Referendum im März 1991 fast 78% der Bevölkerung der UdSSR (bei 80% Beteiligung! also absolut 62,4% aller Sowjetbürger!) ausgesprochen hatten, einseitig für aufgelöst erklärten.

Danach wurde der Jude Jelzman = Jelzin dargestellt als der „starke Mann“, der mit voller Unterstützung des Westens in praktisch gleicher Staatlichkeit wie vorher die Russische Föderation als Nachfolger der UdSSR etablierte und der dann dafür sorgte, daß das Land zum Rohstoffanhängsel verkommt.
Er hat – das soll noch einmal betont werden – nichts Neues geschaffen, sondern nur vorhandenes um- und vor allem abgebaut.
Aber wieviel davon haben er und seine Familie dabei eigentlich selbst „gelenkt“?

© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 15.2.005
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Ruslan Chasbulatow: Bei der Regierung Jelzin waren etwa 100 amerikanische Konsultanten tätig

08. Februar 2017

хасбулатов

Information: Ruslan Imranowitsch Chasbulatow ist ein russischer (eigentlich tschetschenischer – d.Ü.) politischer Funktionär, Gelehrter und Publizist, korrespondierendes Akademie-Mitglied (1991), der letzte Vorsitzende des Obersten Rates (OR) der Russischen Föderation.
Geboren in der Stadt Grosnyj im Jahre 1942. Im Jahre 1993 führte er den
(Schein-?)Kampf des Obersten Sowjets gegen den RF-Präsidenten Jelzin; erkannte den Präsidenten-Ukas Nr. 1400 nicht an, welcher das Parlament aufgelöst hatte, befand sich im blockierten (Moskauer) Weißen Haus bis zu dessen (Panzer-Beschuß und brutaler) Einnahme durch die Kräfte des Präsidenten am 4. Oktober 1993 (mit angeblich etwa 1800 Toten, die heimlich mit Flußbarken über die Moskwa nachts weggeschafft wurden und spurlos verschwanden – d.Ü.), war dann inhaftiert als einer der Organisatoren der Tumulte in Moskau; frei gekommen durch die Amnestie der Staatsduma im Jahre 1994. Quelle-1

Für Russisch-Könner: Die Ansprache Chasbulatows vom August 1993 – Обращение Хасбулатова (август 1993)
http://vk.com/video61207156_171545220

Bei der Regierung Jelzin waren etwa 100 amerikanische Konsultanten tätig und neben vielem anderem haben sie auch ein Verzeichnis der (angeblich – d.Ü.) bankrotten Unternehmen erstellt, darauf rechnend, daß (analog zur deutschen Verun-Treuhandanstalt – d.Ü.) eine Agentur geschaffen wird, die einen Großteil der Industriebasis Rußlands zu verwalten bekommt.
Darüber berichtet in einem Interview für „Echo Moskaus“ Ruslan Chasbulatow, der 1991-93 den Obersten Rat
leitete.
(dazu ist zu klarzustellen, daß im Unterschied zum westlichen Wirtschaftssystem in der Planwirtschaft alle staatlichen Unternehmen ihre Gewinne jederzeit an den Staat abführen mußten und für den Folgezeitraum die Mittel zur Aufrechterhaltung ihrer Tätigkeit formal als „Kredite der Staatsbank“ zugeteilt bekamen, entsprechend dem jeweiligen Jahresplan; diese „Staatsbank-Kredite“ waren jedoch keine Bank-Kredite im westlichen Verständnis, sondern das Verwaltungsinstrument von Regierung und Partei zur Lenkung der Unternehmen; natürlich führte der Trick der Umwandlung dieser „Staatsbank-Kredite“ in westliche Bankkredite zur sofortigen Zahlungsunfähigkeit fast aller planwirtschaftlichen Unternehmen, was sowohl bei der Übernahme der DDR ab 1990 als auch beim Ausverkauf des sowjetischen Industriepotentials ab 1993 jeweils benutzt wurde, um diese Unternehmen „formaljuristisch rechtsgültig“ als „praktisch wertlos“ hinzustellen – und damit den vor allem westlichen „Käufern“ zu ermöglichen, sich diese für NICHTS einfach „unter den Nagel zu reißen“ und auszuhöhlen – d.Ü.)

85% aller Unternehmen der Russischen Föderation mußten bankrott (erklärt) werden. Dann erfahre ich, daß – wie sich zeigte, mit Hilfe der amerikanischen Konsultanten, und davon gab es so um die 100 Mann bei Jelzin – der Entwurf eines Jelzin-Ukas vorbereitet wurde, daß direkt beim Präsidenten eine spezielle Agentur geschaffen werden sollte für diese bankrotten Unternehmen, also faktisch sollte die gesamte Wirtschaft auf diese Weise dieser Agentur zugeschoben werden.
Und wer, meint ihr, sollte diese planmäßig leiten? Tschubais!
Auf diese Weise wäre er höher gestellt gewesen als der Präsident und höher als der Oberste Rat, indem er das Kommando über die gesamte Wirtschaft erhielte.
Natürlich haben wir das nicht zugelassen, aber genau so war es, genau das war geplant!“ sagt Chasbulatow.

Ebenso behauptet Chasbulatow, daß Anfang der 1990er Jahre es möglich war, einzelne Wirtschaftszweige vor dem Zerfall zu retten.

Als Fjodorow, dem Finanzminister, die Frage gestellt wurde, warum er die Subventionen für die Landwirtschaft auf ein Zehntel zusammenstreichen will, wißt ihr, was er da gesagt hat?
Meine Herren Abgeordneten, unsere Landwirtschaft war nie gewinnbringend und wird das auch nie sein, und wir sollten nicht danach streben, diese zu unterstützen, wir werden Erdöl und -gas exportieren und dafür die Lebensmittel im Ausland kaufen.
Das war der Standpunkt, und Fjodorow als ehrlicher Mensch hat das so gesagt; die nachfolgenden Minister haben das nicht gesagt, aber direkt bis zum Eintritt in die WTO wurde diese Linie durchgesetzt. Deshalb haben wir heute im Lande weder Landwirtschaft noch Viehwirtschaft.“ sagt Chasbulatow.
(das stimmt so nicht mehr, denn „dank“ den Sanktionen des Westen und den russischen Gegensanktionen hat die russische Landwirtschaft in den vergangenen 3 Jahren einen großen Aufschwung genommen: Rußland ist heute der weltweit größte Weizenexporteur (allerdings vorwiegend minderwertiger Sorten, d.h. Futterweizen), und der Fleischbedarf des Landes wird zu 90% aus dem Inland gedeckt – d.Ü.)

Genauso war es möglich, den Krieg in Tschetschenien zu beenden.

Nicht ein einziges Opfer hätte es dort geben müssen. Das Problem war es gar nicht wert. Wen hätte man dort hingestellt? Ja, jeder normale Mensch hätte anständig gearbeitet, im Rahmen des Gesetzes. Es gab kein kompliziertes Problem, wenn es nicht künstlich von verantwortungslosen Personen geschaffen worden wäre.“ behauptet der ehemalige Chef des OR.
(hier sind wohl mehrere Interessen zusammengelaufen: einerseits die westlicher Geheimdienste, die Rußland gern diesen auslaugenden inneren Krieg aufdrängen wollten, um den weiteren Zerfall Rußlands zu provozieren; dann die Interessen des russischen Militär-Industrie-Komplexes, der – siehe der Syrien-Einsatz heute – wohl recht gern immer mal einen „kleinen Krieg“ führt, um neue Waffensysteme im realen Kampfeinsatz zu „erproben“ und so „Marketing“ zu betreiben, und noch einige weitere, die Chasbulatow andeutet – d.Ü.)

Der Separatismus Dudajews hatte, nach Meinung Chasbulatows, in der Bevölkerung keine Unterstützung, und er (Dudajew) selbst war ein Protege der Geheimdienste. Die Separatisten hätte man einfach mit Hilfe von Wirtschaftssanktionen erdrücken können, allerdings haben Jelzin und seine Regierung dies aktiv verhindert. Dabei stellt Chasbulatow fest, daß es Dinge gibt, über die er bis heute nicht öffentlich reden kann und führt lediglich einige Beispiele für die Gegenmaßnahmen seitens des Kreml gegen die nationale Politik des Obersten Rates an.

Wir hatten mit Jelzin vereinbart, das Problem mit Dudajew zu lösen. Darin waren sehr wichtige Leute aus drei Institutionen einbezogen. Morgens berichtet mir einer von den Führern dieser Drei-Institutionen-Gruppe, ein hoher General, daß alles seinen Gang geht und er nun losgeht zum Präsidenten, um zu berichten. Von dieser Gruppe wußten nur Jelzin und ich, sonst niemand mehr.
Abends kommt ein Adjudant zu mir gelaufen und sagt, daß da jemand von mir empfangen werden möchte. Das war ein großer, stattlicher Mensch mit dunkler Haut, aber er war sehr blaß und sagte, daß er heute noch als Militärattache in irgendein Land fliegen solle, und die Gruppe sei aufgelöst.
Ich rufe Jelzin an und frage, was los ist:

Naja, dies und jenes, der Gajdar hat davon erfahren und fing an zu lärmen“, so hat Jelzin uns dieses Problem nicht lösen lassen“, erzählte Chasbulatow

Chasbulatow erläuterte, mit welchen Maßnahmen man dem (militärischen – d.Ü.) Konflikt hätte ausweichen können und sagte, daß der Oberste Rat beschlossen hatte, daß solange die Beziehungen mit Tschetschenien nicht geklärt wären, die Finanzierung einzustellen sei, allerdings wurde weiterhin Geld in die Teilrepublik überwiesen. Nach seinen Worten „wurden den Zentralbankern die Arme umgedreht, mal vom Premier (Gajdar – d.Ü.), mal von dessen Stellvertreter (Tschubais – d.Ü.), mal vom Präsidenten selbst“, die Mittel für Gehälter und soziale Absicherung der Republik einforderten. Ungeachtet der Forderungen des Obersten Rates blieb auch die Erdölleitung in Betrieb, über die nach Tschetschenien das Erdöl zur Verarbeitung geliefert wurde, was von Dudajew aktiv genutzt wurde (auch um über Benzinexporte ins Ausland Waffen für den Kampf gegen Rußland zu beschaffen – d.Ü.).

Über das nach dem Zerfall der UdSSR im Lande wirksame System der Doppelherrschaft, daß wie einige meinen, zum Beschuß des Weißen Hauses geführt habe, verneint Chasbulatow nicht, daß die gesetzgebende Macht (der Oberste Rat – d.Ü.) tatsächlich vollständig die Funktionen der Regierung (der UdSSR – d.Ü.) übernommen hatte.

Wir haben die Macht aufgenommen und begonnen tätig zu werden, damit das Land nicht zerfällt. Was meinen sie, von wem wir die weggenommen hätten?
Da war keiner da, von dem wir sie hätten zu uns herüberziehen können. Wenn man ein einem Tau zieht, dann setzt das Gegenkräfte voraus. Aber da waren keine, da war nur fauliges Stroh.
Jelzin hat nichts kapiert, er hat nur herumkommandiert, von oben herab : ins eine Ohr rein, aus dem anderen wieder heraus. Wenn man ihn fragte, worum es da geht – er hat nichts verstanden, außer Personalfragen, hier hat er aus alter Parteigewohnheit alles in seiner Hand behalten, aber mit der Wirtschaft und anderen Dingen wollte er sich einfach nicht auseinandersetzen“, erklärte Chasbulatow.
(das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, es gab auf allen Ebenen, bis in höchste Ämter, viele Parteifunktionäre, die in wirtschaftlichen Zusammenhängen total unbeleckt waren und völlig abhängig von ihren Ratgebern, aber Jelzin hatte ja den Gosplan (das „Wirtschaftsministerium“ der Planwirtschaft) aufgelöst und durch die ca. 100 VSA-Consultants von den Chicago-Boys „ersetzt“ – d.Ü.)

Die Regierung Gajdar charakterisiert Chasbulatow folgendermaßen:

Die Gajdar-Leute waren sehr große Lügner. Solche Lügner, politische Opponenten wie die Gajdar-Leute, habe ich in verschiedenen politischen Augenblicken noch nie getroffen.“

Seine Tätigkeit auf dem Posten des OR zusammenfassend, erklärt Chasbulatow, daß die Politik des Obersten Rates, der seinerzeit über weitreichende Vollmachten verfügte, auf den Aufbau eines „normalen Kapitalismus“ gerichtet war.

Der tatsächliche Reformator, der einen normalen Kapitalismus im Interesse der Menschen aufbaute, war der Oberste Rat. Wenn uns nicht die Leute behindert hätten, die damals kamen und sich selbst „Kamikadse“ nannten, und dann wurden sie plötzlich Millionäre, diese „Kamikadse“, und keiner von denen stürzte sich plötzlich aus dem Fenster, wie ihr versteht… Wenn die uns nicht behindert hätten, dann sähe es jetzt ganz anders aus.
Warum mußte Putin diesen „Augias-Stall“ erst reinigen, warum trifft er bis jetzt noch auf Probleme – weil die primäre Entwicklung des Kapitalismus nicht richtig angepackt wurde, es war eine parasitäre Richtung, als man sich ohne eigene Arbeit und Fähigkeiten einfach bereichern konnte, durch die „Mitnahme-Privatisierung“, auf Kosten des Staatlichen Eigentums, und das ist leider jetzt auf genetischen Niveau hier in diesen ersten Kapitalisten angelegt“, sagt Chasbulatow.

хасбулатов ельцын

PS-1: Übrigens wird auch in den VSA nicht verheimlicht, daß sie an der Erarbeitung der Verfassung der RF teilgenommen haben. Zum Beispiel wird auf der offiziellen Netzseite der sog. Agentur für internationale Entwicklung im Abschnitt „Erfolge und Errungenschften“ der Organisation USAID mit Stolz mit geteilt, was sie alles in den Jahren ihrer Tätigkeit auf dem Territroium der RF erreicht habe.
Hier könnt ihr diese sogenannten „Errungenschaften“ detailliert anschauen.

Unter anderen Punkten ist dort folgendes zu finden:

«USAID-funded Rule of Law implementers helped draft the RUSSIAN CONSTITUTION, Part I of the Russian Civil Code, and the Russian Tax Code.»

Das heißt, daß USAID an der Ausarbeitung der Verfassung der RF, des Bürgerlichen Gesetzbuches der RF und der Steuergesetzgebung der RF beteiligt war. Wie ihr seht, gibt es da keine Geheimnisse.

PS-2: W.W.Putin über Tschubais
http://vk.com/video61207156_170381999

Da ist sehr viel „lächerliches“. Zum Beispiel, wer in der Umgebung von Anatolij Borisowitsch (Tschubais) als Berater tätig war – wie sich heute herausgestellt hat, waren das Kadermitarbeiter der CIA der VSA.
Aber noch „lächerlicher“ ist es, daß diese nach ihrer Rückkehr in die VSA vor Gericht gestellt wurden, weil sie entgegen den Gesetzen ihres Landes sich im Verlaufe der Privatisierung in der Russischen Föderation persönlich bereichert hatten, und dazu hatten sie kein Recht als im Dienst befindliche Geheimdienstoffiziere.“

PS-3: Jegenij Fjodorow, ehemaliger Vorsitzender des Komitees für Wirtschaftspolitik und Unternehmertum, Abgeordneter der Staatsduma, darüber, wie das Okkupationssystem der Verwaltung des Russischen Staates nach der Niederlage (im Kalten Krieg – d.Ü.) 1991 geschaffen wurde.
https://www.youtube.com/watch?v=M9WFvuT0RP8

PS-4: Wladimir Polewanow, ehemaliger Minister und Vize-Premier in der Regierung Jelzin, in einem Interview über die Prozesse der Privatisierung des staatlichen Eigentums in den 1990er Jahren. Polewanow hat detailliert erzählt, wie er im Kreml gearbeitet hat und dann feststellen mußte, daß alles von ausländischen Beratern gesteuert wurde, die aus den VSA kamen. Polewanow hat denen den Zutritt zum Kreml verboten, wofür er entlassen wurde.‘
https://www.youtube.com/watch?v=o6zhzjxJPkA

Quelle: http://artyushenkooleg.ru/wp-oleg/archives/4419 oder http://webnovosti.info/n/43711/

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P.S. dem interessierten Leser sei gleichfalls unser Artikel zur Gorbatschowschen „Perestrojka“ empfohlen – er behandelt die Hintergründe des „Umbaus“ in der UdSSR in den achtziger Jahren.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Bildung, Dreckskapitalismus, Geopolitik, Manipulation, NWO

Eine Antwort zu “100 Konsul-Tanten

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