Die künftige Welt-3

Der Historiker und Politologe schaut zurück und voraus, in mehreren Portionen – heute die dritte. Bitte vor dem Bewerten oder ablehnen sehen, was daraus Nützliches entnommen werden kann.
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 16.1.2017
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Die Welt der Zukunft – Teil 3

Autor – Andrej Fursow

7.1. Warum war es im sog. Sozialistischen Lager eine weitverbreitete Erscheinung, daß die Leute mit dem Leben und der Regierung unzufrieden waren?

Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen haben die Leute nicht wertgeschätzt, was sie hatten. Sie haben Fotos oder Filmszenen aus westlichen Kinofilmen gesehen – volle Ladentheken, 100 Sorten Wurst und Käse, modische Kleidung; sie haben die Löhne verglichen.
Dabei haben sie „vergessen“, wieviel im Westen an Steuern gezahlt wird (bis 50%), wie teuer die bezahlte Medizin und Bildung sind, die Kreditsklaverei, den kurzen Urlaub.

Und bei sich haben sie „vergessen“, zum Lohn jene Kosten hinzuzurechnen, die das System getragen hat: für die kostenlose medizinische Versorgung, Bildung und vieles andere.
Nach der Zerstörung haben sie es dann gespürt, aber da war’s zu spät. Wie es im Koran heißt: „
Sollen sie genießen, sie werden es dann erkennen!

Heute ist klar: für Rußland und Osteuropa waren die Jahrzehnte Sozialismus die beste Zeit, sowohl was den Wohlstand betrifft, als auch die historische Subjektivität.

Zum zweiten war der Sozialismus eine gegenüber Kritik viel empfindlichere Gesellschaft. Er postuliert soziale Gerechtigkeit und Gleichheit, aber diese wurde gerade im Verlauf der Entwicklung des Sozialismus und der Verwandlung der Nomenklatura in eine Quasi-Klasse, die ihre materiellen Bedürfnisse zu einem bedeutenden Teil im Westen befriedigte, gestört. Das war ein klarer Widerspruch zwischen der Realität und den proklamierten Idealen.

Dagegen der Kapitalismus (und die postsowjetische Realität in der RF, Tschechien, Bulgarien usw.) – um so mehr als nach der Zerstörung des Sozialismus man niemanden mehr zu fürchten hat oder sich vor niemandem mehr schämen muß – sagt ganz offen: ja, wir haben eine Ausbeutungsgesellschaft, einen Markt, Konkurrenz, es überlebt der Stärkste – und das ist die Freiheit.

Viele Vorwürfe, die man dem Sozialismus machen kann, kann man dem Kapitalismus nicht machen. Was soll man jemandem sagen, der postuliert: „Ja, solch ein Dreck bin ich! Das ist die Norm!“ Was soll man das sagen?
Mit anderen Worten, ein bedeutender Teil der Unzufriedenheit in den sog. sozialistischen Ländern war die Unzufriedenheit mit der Verletzung der Prinzipien des Sozialismus und die dumme Überzeugung, daß man dies durch eine Injektion des Kapitalismus in Ordnung bringen kann.

Hat man etwas korrigiert? Wurde es besser? In Abwandlung von Gogol könnte man sagen: „Nun, was ist, Söhnchen, haben dir deine Amis geholfen? Wurde deine Heimat ein zweites Amerika?“

Zum dritten, fast alle Einwohner des Pax Socialistica hat in dieser oder jener Form die UdSSR genervt, haben die Russen genervt – wer stark ist, nervt immer. Alle, aus unterschiedlichen Gründen: die Polen, weil wir sie geschlagen hatten und weil sie trotz aller Anstrengungen keine hohe Kultur entwickeln konnten, sondern so blieben, wie sie waren (und auch bleiben werden) – der Hinterhof des Westens, und Rußland eine große Kultur geschaffen hat, und ein Imperium.
(hier gehen mit Herrn Fursow eindeutig die nationalistischen Pferde durch: „genervt“ hat alle die russischen Besatzung, nicht der imperiale Erfolg oder die angeblich überlegene Kultur– d.Ü.)

Viele – und deshalb haben sie sich auch alle Hitler unterworfen, aber die Russen haben sich nicht nur nicht unterworfen, sondern haben dem Dritten Reich das Genick gebrochen; wir haben einen Sieg – wer in Europa hat das noch?
(und wer außer Rußland hat noch so ein riesiges Naturpotential hinter sich, von dem er jahrzehntelang zehren könnte? – d.Ü.)

Die Russen sind das einzige slawische Volk mit Imperium, das ein erfolgreiches Imperium geschaffen hat (die Serben sind auch ein imperiales Volk, aber historisch hatten sie es aus objektiven Gründen schwer, erfolgreich zu sein).
Das stellt die Russen gegen fast alle anderen Slawen, wie auch gegen alle nichtimperialen Völker, die im russischen Umkreis liegen, aber noch keine historische Dankbarkeit entwickelt haben dafür, daß die Russen sie immer vor dem Westen beschützt haben, vor allem vor den Deutschen, dem teutonischen Wolfsrudel.
(ja, wie man sieht, kann sich auch ein progressiver Wissenschaftler ganz schon vergaloppieren, wenn er gewissen Memen folgt, die von den Angelsachsen so vielfältig und langzeitwirksam ausgestreut wurden – man nehme ihm das bitte nicht übel, kein Mensch ist vollkommen – d.Ü.)

Daher hatte K. Leontjew recht mit seiner Skepsis gegenüber den „slawischen Brüdern“. „Imperiale Bruderschaft“ ist fester. Man muß sich daran erinnern, wenn zur Mitte des 21. Jh. unter dem Ansturm von Millionen Arabern und Negern Europa beginnt zu zerfallen und das Volk sich nach Rußland wendet um Schutz. Wir werden uns „an alles erinnern“ müssen, ohne Schadenfreude, aber auch ohne Emotionen, nur mit nüchterner Berechnung.
(so wird es ziemlich sicher nicht kommen, denn entweder die europäischen Völker befreien sich selbst von den Zudringlingen und der Vorherrschaft der „Hausherren des Geldes“, oder sie haben es nicht anders verdient; die Russen wird jedenfalls keiner um Hilfe anflehen – d.Ü.)

Wir haben genug Undankbare gerettet, die uns schon am zweiten Tag nach der jeweiligen Rettung wieder in den Rücken gespien haben und sich an den Westen anhängten. Wenn ich höre, wie ebenjene Polen und sagen „Wir sind der Westen“, dann möchte ich ihnen antworten: „Erzählt das den Deutschen!“
(ja, hier offenbart sich eine menschliche Schwäche, die allerdings für einen solchen Wissenschaftler kaum verzeihlich ist: er differenziert nicht zwischen den von außen, von den „Hausherren des Geldes“ eingesetzten Pseudo-Eliten in allen europäischen Ländern und den jeweiligen Völkern – sehr schade – d.Ü.)

Закат Паразитической Системы глазами специалиста

7.2. War dies eine Folge schlechten Wirtschaftens?

Die Wirtschaft ist ein Element des Systems; das System (die außerökonomische Verteilung der Produktionsfaktoren, das Klasseninteresse) bestimmen das Element, und nicht umgekehrt. Außerdem war die Wirtschaft der UdSSR und des sozialistischen Lagers nicht gerade schlecht oder schwach.
Schauen wir uns mal ein paar Zahlen an.

Bis 1985, also bis zur Perestrojka, belegte die UdSSR den zweiten Platz in der Welt und den ersten in Europa in der Industrieproduktion. Im Jahre 1975 war das spezifische Gewicht der UdSSR in (der Anteil an – d.Ü.) der Weltindustrieproduktion bei 20% (zum Vergleich: 1999 hatten die VSA 20,4%, die EU 19,9%); das sowjetische BIP betrug 10% vom Welt-BSP. Im selben Jahr 1975 betrug das Nationaleinkommen der UdSSR 60 – 65% vom Nationaleinkommen der VSA.

Der israelische Geheimdienst hat noch größere Zahlen genannt; nach den Berechnungen israelischer Analysten betrug das Lebesniveau in der UdSSR, einschließlich der bezahlten und kostenlosen Dienstleistungen sowie der sogenannten schwer bewertbaren humanitären Faktoren (Verbrechensrate, soziale Absicherung) etwa 70 – 75 % vom amerikanischen, mit der Tendenz der weiteren Annäherung.

Von 1970 bis 1975 wuchs der Anteil der Branchen, die in hohem Maße die Effektivität einer Volkswirtschaft bestimmen (Maschinenbau, Elektroenergetik, Chemische und Erdölchemische Industrie) von 31% auf 36%; danach begann der Schlupf, aber das im Jahre 1975 erreichte Niveau war hoch.

Dabei hat im genannten Zeitraum der Ausstoß der Maschinenbauproduktion sich auf das 1,8fache erhöht, darunter bei Rechentechnik auf das 4fache (am Übergang der 1960 – 1970er Jahre wurden wichtige Richtungen auf diesem Gebiet eingestellt, aber nicht alle, wobei der Abstand zu den VSA bei Computern zielstrebig wuchs), bei Geräten, Automatisierungsmitteln und Ersatzteilen dazu auf das 1,9fache.

Im Jahre 1975 hat der RGW (= der „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“, das Integrationsorgan der Volkswirtschaften der sozialistischen Länder – d.Ü.) bei einem Anteil an der Weltbevölkerung von 9,4% mehr als 30% der Weltindustrieproduktion und mehr als 25% der Welteinkommen produziert; die UdSSR hat dazu 60% der Industrieproduktion beigesteuert. Von 1951 bis 1975 wuchs der Anteil der sozialistischen Länder an der Weltindustrieproduktion auf das 1,5fache (von 20% auf 30%), während der Anteil der kapitalistischen Länder sich von 80% auf 50% reduzierte (und der VSA von 50% auf 22 – 25%).
(der Rückgang der „kapitalistischen Länder“ ist auch mit durch die Befreiung der Kolonien bedingt – 1951 waren Soz+Kap = 100%, 1975 nur noch 80% – d.Ü.)

Hierzu zu ergänzen sind die Erfolge der sowjetischen Landwirtschaft 1985 – 1990 und besonders 1991: das Wachstum betrug 9,8% im Vergleich zu 5,8% im vorangegangenen Fünfjahrplan.
Die UdSSR hatte die niedrigsten Lebensmittelpreise in ganz Europa. Der Verbrauch an Lebensmitteln pro Kopf der Bevölkerung (nett: im Russischen „auf jede Seele der Bevölkerung“ – d.Ü.) erreichte in den Jahren 1990- 1991 ein historisches Maximum in der Geschichte des 20. Jh.: Brot – 119 kg, Fleisch – 75 kg, Fisch – 20 kg, Milch und Molkereiprodukte – 386 l, Eier 97 Stück.
Die Jahre 1990 und 1991 waren Jahre mit außerordentlich hohen Ernten und Wachstum der Vieh-Stückzahlen.
(tja, leider sind solche teilweise rein mengenmäßigen Zahlen nicht unbedingt aussagekräftig, wenn man die Qualität aus dem Blick läßt; auch die Zeiträume werden munter gewechselt, wie es gerade paßt; ist das seriös? und ein hoher Lebensmittel-Verbrauch sagt noch nichts aus darüber, wie gesund und naturnah ein Volk lebt; trotzdem: oben sind einige recht interessante Zahlen dabei, machen nachdenklich – d.Ü.)

Aber dabei blieben die Regale in den Läden leer, das Defizit wurde bewußt geschaffen, um die Bevölkerung endgültig gegen den Sozialismus aufzubringen und Unruhen zu provozieren. Von den Kolchosen wurde bewußt die Produktion nicht abgekauft, anstelle dessen wurden Landwirtschaftserzeugnisse von kanadischen Farmern eingekauft – für den 5 – 6fachen Preis. So wurden damals die Kolchosen ruiniert.

All das wurde auch noch dafür getan, um die Bevölkerung mit der Angst vor Hunger zu schrecken, und um Preiserhöhungen zu begründen. Letztere waren nichts anderes als die Enteignung der Bevölkerung, die Expropriation des Geldes, damit das Volk keine finanziellen Möglichkeiten hatte, an der Privatisierung teilzuhaben, die für die „eigenen“ geplant war. Die Eunschüchterung der Bevölkerung durch die Regierung und die offiziellen Medien im Herbst 1991 waren dergestalt die wichtigste Vorbereitungsaktion der Privatisierung.
(das ist so nicht korrekt; mit Brotpreiserhöhungen kann man Leute nicht um ihre Ersparnisse bringen; die Bevölkerung wurde durch eine Hyperinflation von ihren Ersparnissen enteignet, nicht durch Preissteigerungen; und Inflation ist eben nicht Preissteigerung, sondern Wertverlust der Währung – d.Ü.)

Tatsächlich gab es keinerlei Gefahr von Hunger, das war alles Lüge, die von den Fachleuten leicht enttarnt wurde, später hat auch die Zentralverwaltung für Statistik dies bestätigt. E.T. Gajdar bestand darauf, daß der Halbjahresbedarf des Landes an Getreide 25 Millionen Tonnen beträgt, und Ende 1991 hatte das Land angeblich nur 10 Mio t (Ernte-Restbestand), bei einem Monatsverbrauch von 5 Mio t; daher die Schlußfolgerung: in 2 Monaten gibt es Hunger und Bürgerkrieg. Genau darauf gründet sich der verlogene liberale Mythos von „Gajdar als Retter des Landes“.

Die Wirklichkeit war eine ganz andere. Gajdar hat bewußt das Brotgetreide und das Futtergetreide zusammengerechnet; also bei einem (echten) monatlichen Bedarf von 2 Mio t müssen auch die 2 Mio t aus der Staatsreserve und die 3,5 Mio t aus dem Import gerechnet werden, die im Dezember 1991/Januar 1992 eintreffen sollten, d.h. bis zur neuen Ernte Ende Juli/Anfang August 1992 hätte das locker gereicht.

Aber die Hauptlüge Gajdars waren nicht mal die 5 Mio t monatlicher Getreideverbrauch, sondern es war so, daß die 26 Mio t der Jahresbedarf waren und nicht der Halbjahresbedarf, was auch im statistischen Jahresbericht 1992 bestätigt wurde. Aber im Herbst 1991 war es der Jelzin-Truppe gelungen, diese Lüge in alle Massenmedien hineinzudrücken.
(gerade ist wieder die alljährliche liberale Kaffesatzleserei, genannt Gajdar-Forum für Ökonomie, zu Ende gegangen – Vortragender u.a. ein bekannter Motorrad-Rocker – d.Ü.)

7.3. Ist ein System möglich ähnlich dem sozialistischen, aber mit einer guten Wirtschaft?

Ich sagte schon, daß die sozialistische Ökonomie nicht schwach war: mehr noch, sie war erfolgreich, besonders im Vergleich mit der kapitalistischen, so paradox das auch klingen mag. Wir hatten leider eine schlechte Vorstellung von den Realitäten der Ökonomie der VSA in den 1970er-1980er Jahren.
Jetzt haben wir keinen Sozialismus – haben wir eine gute Wirtschaft?

Im größeren Teil der kapitalistischen Welt geht es der Wirtschaft schlecht und das Leben ist schwer. Das anerkennen sogar die Westler-Apologeten des Kapitalismus, wie G. Jawlinskij und E. Gajdar. Sie haben einen „traurigen Zustand“ und eine „stagnierende Armut“ in der Mehrzahl der kapitalistischen Länder festgestellt.
Allerdings ist ihr Rezept ein sehr sondebares: Aufgabe der Souveränität auf dem Wege in eine euro-atlantische Integration, sonst drohe Abgeschiedenheit und Armut.

Schwer zu sagen, was da überwiegt – zweckgebundene Lüge oder undurchdringliche Blödheit. Denn es ist doch genau jene Abgabe der Souveränität an den Westen, welche zur Diktatur der Transnationalen Konzerne führt, und diese ist der Grund für die Armut und die Ausgeschlossenheit des größeren Teils der kapitalistischen Länder.

Die Welt des Kapitals ist eine Welt der Armut, und zwar rasch anwachsend: im Jahre 2009 besaßen 1% der Weltbevölkerung 44% der Weltreichtümer, im Jahre 2014 bereits 48%, und 2016 schon 50%.
(und das sind die „offiziellen“ geschönten Zahlen von IWF und Weltbank – d.Ü.)
Im Jahre 2015 lebten unter der Armutsgrenze (mit weniger als
1,25 Dollar pro Tag) in der Welt 830 Millionen Menschen (14% der Weltbevölkerung); nochmal etwa 40% leben von 2 Dollar pro Tag.
(d.h. sogar nach der geschönten „offiziellen“ Statistik lebt mehr als die Hälfte der Menschheit in tiefer Armut – da sagen wir doch „danke, Kapitalismus“, oder? – d.Ü.)

Eine „gute Wirtschaft“ gibt es in jenem Teil der kapitalistischen Welt, der die Schwachen (Kolonien, Halbkolonien) ausraubt und Dollarnoten druckt.
Ja, man kann nur immer wieder staunen, was für Menschen mit welchem Intelligenzniveau die Perestrojka und die Postperestrojka nach oben gespült haben. Möglicherweise hat man gerade solche ausgewählt für die Realisierung des halbkolonialen Schemas.

7.4. Warendefizite und Schlangen – ist das ein ständiger Begleiter des Sozialismus?

Leider ist die Mangelwirtschaft ein charakteristischer Zug des Sozialismus, zumindest in jener Form, wie er historisch real existiert hat. Dafür gibt es mehrere wirtschaftliche und politische Gründe.
Da ist zum einen die Notwendigkeit der beschleunigten Entwicklung des Militär-Industrie-Komplexes und die Aufrechterhaltung der militärstrategischen Parität mit dem Westen, bei geringerem BIP als der kollektive Westen.

Dabei ist daran zu erinnern, daß die militärische Hauptlast im Sozlager auf der UdSSR lag, während in der Nato die Militärausgaben mehr oder weniger gleichmäßig verteilt wurden. Zum Beispiel betrugen im Jahre 1975 die Militärausgaben des Warschauer Paktes 110,3 Mrd. USD, davon die der UdSSR 99,8 Mrd.; die der Nato 184,9 Mrd. USD, davon die der VSA 101,2 Mrd.; und für 1980 entsprechend 119,5 Mrd. zu 107,3 Mrd., und 193,3 Mrd. zu 111,2 Mrd.

Es ist natürlich, daß es in solchen Ländern wie den industriell entwickelten DDR und Tscheoslowakei viel weniger Warendefizite gab. Was Polen, Rumänien, Ungarn und Bulgarien betrifft, so waren diese Länder anfangs sehr arm. Jetzt gibt es in allen genannten Ländern keine Warendefizite, aber die Leute leben viel schlechter.

In der UdSSR im Jahre 1990, d.h. am Vorabend der Systemzusammenbruchs, als man uns davon überzeugte, daß alles schlecht ist, und die Leute mit bevorstehendem Hunger eingeschüchtert wurden, betrug der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch und Fleischprodukten 78 kg (davon 13% Import), und 15 Jahre später in der RF waren es 57 kg (davon 35% Importe). Also kann man wohl nicht alles nur am Warendefizit als isolierter Kennzahl messen.
(aber sicher auch nicht am sowieso höchst ungesunden Fleischverbrauch – d.Ü.)

Zum zweiten hatte natürlich das Warendefizit wirtschaftliche Gründe, die mit der Spezifik des Sozialismus als System zusammenhingen: dem unbeweglichen administrativen System, dem Fehlen der Vervollkommnung der sozialistischen Planungsmethoden; so hatte in der UdSSR die Planwirtschaft de-facto in den Jahren 1972-1973 ihre Existenz beendet, und es trat an deren Stelle eine Art Abstimmungs-Wirtschaft, die man versuchte, mit kapitalistischen Methoden zu „heilen“.
Ausgeheilt.

Zum dritten, wurde das Warendefizit, das schlecht vereinbar ist mit dem Wirtschaftsleben des Systems, in der UdSSR in den Jahren 1989-1990 künstlich herbeigeführt, mit Hilfe der Umsetzung des Gesetzes über das Staatsunternehmen (angenommen am 30.Juni 1987, für alle Unternehmen in Kraft getreten am 1. Januar 1989).
(das mag den Zusammenbruch der UdSSR und damit des Sozialismus als System begründen helfen, aber sagt nichts aus über die davorliegenden Jahre, wo seit 1975 regelmäßig Waren, besonders Lebensmittel, aus den Läden „verschwanden“; meist waren sie nach wenigen Wochen wieder da, aber die Unsicherheit blieb; die Leute kauften danach mehr als vorher – war ja alles billig – und vieles verdarb und wurde dann weggeworfen – d.Ü.)

Gemäß diesem für die Wirtschaft des UdSSR mörderischen Gesetz bekam eine große Anzahl von Betrieben das recht, unmittelbar auf dem Weltmarkt zu agieren, d.h. de-facto wurde das Außenhandelsmonopol liquidiert.
Die Waren dieser Unternehmen wurden auf dem Weltmarkt für Dollars verkauft; danach wurden die Dollars im Lande in Rubel umgetauscht und es entstand eine ungeheure Rubelmasse, die nicht durch Waren abgedeckt war.

In der UdSSR war seit der Zeit der Kreditreform in den Jahren 1930-1932 das Gleichgewicht zwischen Warenmenge und Geldmenge ganz hart eingehalten worden, auch zwischen Buchgeld und Bargeld. Die Wirkung des Gesetzes über das Staatsunternehmen zerbrach schon im Jahre 1989 dieses System, und die Bevölkerung stürzte los und fegte alles von den Regalen, was in die Läden kam.
Und in den Jahren 1990-1991 riefen andere eifrige Demokratten offen dazu auf, ein Warendefizit zu schaffen, damit die Massen gegen das System, gegen den Sozialismus verärgert werden, und als Rettung davon wurde die sog. „Marktwirtschaft“ untergeschoben. d.h. der Kapitalismus.

(Quelle: http://webnovosti.info/news/4945/ – Quelle als pdf: http://www.nash-sovremennik.ru/archive/2016/n10/1610-22.pdf – Fortsetzung folgt)

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9 Kommentare

Eingeordnet unter Bildung, Dreckskapitalismus, Freiheit, Geopolitik, Landwirtschaft, Manipulation, NWO

9 Antworten zu “Die künftige Welt-3

  1. Eierdrücker

    Mit dem ehrenwerten Fursov konnt noch nie Besonderes anfangen.
    Da ist zuviel altes Denken dabei, so wie alle 4 jahre Kreuzchen machen.
    Kein Wort zur geistigen Freiheit, Selbstverantwortung, die aus dem Unterbewußtsein der Russen heraus will. Also gerade etwas, was dem Sozialismus und Kommunismus unbequem ist, warum dann deswegen Hirnakrobatik absolvieren.
    Auch die bloße Gegenüberstellung Sozialismus-Kapitalismus ist ein Muster, das überholt ist.

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  2. Luckyhans

    zu Eie-r um 11.23
    Klar hängt der Mann in seinem Gedankenghetto fest und findet nicht heraus, aber einige Hinweise und Gedanken fand ich schon recht aufschlußreich – wollte nur nicht zuviel „reinkommentieren“, ist auch so schon recht bunt geworden. Außerdem darf jeder gerne selbst, ich meine, Positives und Nützliches rausfischen… 😉

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  3. Eierdrücker

    Luckyhans

    Klar, das Denken von so relativ hervorgehobenen Leuten gibt schon Hinweise auf den Stand der allgemeinen Gemütslage.
    Das kann ich schon trennen, allein das ist schon nützlich.
    Gebührend Zweckdienlich- und Nützlichkeit betrachten, das ist schon wesentlich.

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  4. Freidavon

    In der künftigen Welt wird es kein Deutschland mehr geben. Und wie es auch bei übernommenen Firmen geschieht, welche in einem Pool von Irgendwas aufgenommen wurden, wird es in der Werbung immer wieder ein freundliches Winken eines Deutschen mit Fänchen in der Hand geben, welcher dann Deutschland repräsentiert.

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  5. Luckyhans

    zu Frei-n um 11:51
    Deinen Unkenrufen zum Trotz: es liegt an uns, was hier wird – wer kämpft, kann verlieren, aber auch gewinnen – wer sich aufgibt, weil er nicht an einen Sieg glaubt, der hat schon verloren.

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  6. Pingback: Die künftige Welt-4 | Sei herzlich Willkommen beim Dude

  7. Amselina

    *Lucky* 😉 *JaH!*
    „es liegt an uns, was hier wird“
    ES LIEGT AN UNS; WAS HIER WIRD.
    Zuerst IN UNS,
    dann um uns herum
    kann und wird sich ALLES ändern.
    *JaH!*
    Es ist äußerst… 😉 … WICHTIG , zuerst *IN* UNS *Klaar-Schiff* zu machen, bevor wir ablegen…
    und dann *Ab-Leger* schaffen … 😉
    Wie willste sonst mit ev vertodderten Leinen los-segeln ?!?
    . 😉 …
    Schööön datzuu:
    http://universal_lexikon.deacademic.com/260315/Klar_Schiff_machen

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  8. Luckyhans

    zu Ams-a um 08:19
    Klar doch – bumibahagia.com/2017/01/21/allgemein-bekanntes/

    Anm. Admin: Da der Betreiber dieses Schwurbelportals meint, er müsse mich zensieren, sind Links dahin hier nicht mehr gewünscht.

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  9. Amselina

    Zu der AnMerkelung :
    Du BIST stärker als jedes Ärger-Pro-zent-i-al !
    Laß Dich doch bitte einfach nicht ver-ärgern !
    … => *Humor*… *.^.* 😉
    – oder etwa so ?-
    Hand Dance Live

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