Zum 25. Todestag der UdSSR

Nach wie vor besteht keine Einigkeit in der Analyse der Ursachen für den Zusammenbruch der UdSSR. Die einen machen die (damals nicht tatsächlich vorhandene) Systemkrise des Sozialismus dafür verantwortlich, andere den naiven (?) gezeichneten „Buckligen“ (auf dem Foto links) persönlich – wir haben hier bei unserer Perestrojka-Analyse einige weitere Anhaltspunkte offengelegt.
Nachfolgend nun ein erneuter interessanter Versuch, sich dem Thema zu nähern.
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 10.12.004
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25 Jahre seit dem Tod der UdSSR – wer ist schuld?
Bis heute nicht geklärt…

Veröffentlicht von Denis Gratschow – 9.12.2016

Das Jubiläum der Liquidierung der UdSSR wurde im Fernsehen irgendwie schlaff und ohne Feuer begangen: weder die Fans noch die Gegner der UdSSR haben sind da sonderlich angestrengt. Wahrscheinlich weil sowohl die ersteren, wie auch die letzteren zu dem Schluß gekommen sind: es ist passiert, man kann nicht zweimal in denselben Fluß steigen, und es hat jetzt schon wenig Sinn, sich darüber zu zerreißen.

Ungeachtet dessen hat aber die wichtigste Lehre aus dem Zerfall der UdSSR keiner so richtig genannt. Und schon gar nicht versucht, dies auf die heutige Situation zu projezieren.
Diese Lehre ist tatsächlich einfach und verständlich: jede beliebige soziale Katastrophe ist handgemacht. Und in der Regel aus ausschließlich inneren Gründen heraus.
Jedes beliebige Land wird von seinen Machthabern gesteuert, und wenn die Machthaber nicht in der Lage sind, die Größenordnung der vor ihnen stehenden Aufgaben zu erkennen, dann sind Probleme garantiert.

Und wenn die Machthaber nicht mal in der Lage sind zu erkennen, daß ihre Handlungen der Grund sind für die Entstehung und Nichtlösung der Probleme, dann werden diese sich anhäufen und vertiefen. Und schließlich und endlich wird ein in sich geschlossenes Regime entstehen, aus dem es mit solch unfähigen Machthabern immer nur einen Ausweg gibt – in die Katastrophe.

Die äußeren Gründe haben zweifellos auch einen gewissen Einfluß, aber dieser ist meist eine recht konstante Größe, und er beginnt immer erst dann eine Rolle zu spielen, wenn die innere Stabilität verloren gegangen ist.
Und im Allgemeinen erinnert man sich der äußeren Feinde immer genau dann, wenn es nötig ist, die eigene Hilfslosigkeit zu erklären.

Allem Anschein nach wird diese Lehre nicht anerkannt und nicht mal verstanden. Heute befinden wir uns nach vielen Anzeichen in genau der gleichen Lage wie damals die UdSSR am Vorabend ihren Zusammenbruchs.
Die Machthaber sind genauso unfähig, die Widersprüche zu bewerten, die das Land zerreißen, oder ein Entwicklungs-Modell mit einer vernünftigen organisierten Tätigkeit zur Lösung der angesammelten Probleme und Widersprüche zu erschaffen.
Wir gehen den gleichen Weg in der gleichen Richtung.

Ich erinnere mich ganz wunderbar an die allgemeine Vergötterung für Gorbatschow, dann für Jelzin – genauso wie heutzutage Putin vergöttert wird. Solch eine Vergötterung endet stets in einem dumpfen Haß – wenn das Idol dann doch nicht allmächtig ist und nicht situationsadäquat handelt.
Schon allein deshalb haben alle Prozente und Umfragen zum realen Leben keinerlei Beziehung. Sie zeigen lediglich die laufende Furcht der Bevölkerung, den Kopf aus dem Sand zu ziehen.

kopf_im_sand-kopie

Es genügt, daß sich ein neuer Gegenstand der Vergötterung zeigt, und die allgemeine Zuneigung des Volkes wird sich augenblicklich in den Aufschrei „Kreuzigt ihn!“ in Bezug auf die vorherige Gottheit verwandeln.
Das Problem ist, daß alle Despoten aus irgendeinem Grund denken, daß Ihnen dieses Schicksal erspart bleiben wird.

In diesem Sinne ist das Volk natürlich beteiligt an der Verantwortung – durch seine Gleichgültigkeit gegenüber sich selbst und seinen Kindern. Und alles nur der hilflosen Macht aufzuhalsen ist nicht richtig. Aber wir leben in Rußland, und daher überträgt die Spezifik der Örtlichkeit den größeren Teil der Verantwortung dennoch gerade auf die Machthabenden.

Eigentlich ist das eine weitere Lehre aus dem Zerfall der UdSSR:
solange nicht eine neue Balance der Verantwortung des Volkes und der Machthabenden für die Zukunft des Landes gefunden wird, werden wir stets im selben Kreis laufen – wie ein blinder Esel.
Wenn sich das jetzige Regime an dem Zusammengeraubten verschlucken wird, dann wird genau dies eine der Aufgaben des neuen Regimes sein:
die Schaffung eines Mechanismus‘ der Teilung dieser Verantwortung und die Übergabe eines Teiles daran an das Volk.
Mit der verpflichtenden Lernphase und der Einbringung der Bewußtmachung der Verpflichtungen für die Zukunft des Landes.
Und diese Aufgabe wird nicht weniger wichtig sein als die Reformen und die Wiederherstellung der Wirtschaft und der Produktion aus den Ruinen.

El Mürid

Quelle: publizist.ru/blogs/33/16021/25

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Gut gebrüllt, Löwe – schön kräftig und laut.
Vielleicht nicht in allen Details immer richtig, aber auf jeden Fall beeindruckend.
Und sehr bedenkenswert. Nicht lange bei der Analyse und der „Schuld“-Frage aufgehalten, sondern gleich zum Kern der Dinge gekommen. 😉

An einigen Stellen bleiben Fragezeichen, wenn man mit aktuellen Entwicklungen (Ukraine) vergleicht, zum Beispiel was die Rolle der äußeren Einwirkungen betrifft.
An anderer Stelle teile ich den Pessimismus bezüglich der jetzigen Machthabenden nicht, aber das lassen wir am besten die Zukunft entscheiden.
Fakt ist jedenfalls, daß hier interessante Ansatzpunkte genannt sind, denen es nachzusinnen lohnt.
LH

2 Kommentare

Eingeordnet unter Bewusstsein, Bildung, Freiheit, Gedankenkontrolle, Geopolitik, Manipulation, Menschen

2 Antworten zu “Zum 25. Todestag der UdSSR

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