Jean Ziegler ist KEIN Lobbyist der Rohölmafia!

Als Ergänzung zu Fallen Angels Artikel „Nahrungsmittelverschwendung„, sowie meinem eigenen Artikel „Über die Müssigkeit von Ärger über Banalitäten“ ist – aufgrund aktueller Geschehnisse – hier eine Fortsetzung dringend von Nöten.

Der ‚Bürgerjournalist‘ Karl Weiss hat am 3. Dezember in einem Artikel die Theorie in den Raum geworfen, dass Jean Ziegler seit neustem ein Lobbyist der Öl-Industrie sei.

Ich möchte vorab deutlich klarstellen, dass ich Karl Weiss keinesfalls unterstellen möchte, in böser Absicht agiert zu haben, sondern lediglich anmerken, dass seine m.E. sehr blauäugige Theorie einer klaren, vertieften Betrachtung, unter Kenntnisnahme des Lebenswerks und der daraus folgenden persönlichen Situation von Jean Ziegler, dem realen Sachverhalt schlicht nicht mal ansatzweise entspricht bzw. standhält.

Es geht mir hier daher insbesondere darum, irrige Thesen und Theorien zu entlarven bzw. sachlich darüber aufzuklären.

Wie ich nachfolgend ausführen werde, ist die Theorie von Karl Weiss völlig aus der Luft gegriffen und nicht haltbar, auch zumal sie sich lediglich auf einen einzigen Gastbeitrag von Jean Ziegler bei der ‚Süddeutschen‘ beruft, und keinerlei weitere Quellbelege anführt, was garantiert nicht der korrekten journalistischen Vorgehensweise der Querprüfung von Informationen entspricht.

Solange jedes Jahr Millionen von Menschen auf dieser Welt aufgrund der kannibalistischen Weltordnung hungergemordet werden bzw. an den Folgen der Mangel- bwz. Unterernährung elendiglich verenden, ist es schlicht ein Verbrechen gegenüber der Menschlichkeit, irgendwelche Lebensmittel in Autotanks zu füllen.

Auch wenn der Prozentsatz des Biospritverbauchs, gemessen an der totalen Produktion aller Lebensmittel weltweit natürlich marginal ist, ist dieser marginale Prozentsatz in absoluten Zahlen dennoch eine gewaltige Menge, die sehr wohl ins Gewicht fällt.

In seinem zweiseitigen Gastartikel bei der SZ schreibt Jean Ziegler unter dem Titel „Mörderischer Sprit“ gerechtfertigterweise über den menschenfeindlichen Grössenwahn der Agro-Industrie:

[…]
Für Biosprit werden Unmengen an Grundnahrungsmitteln verbrannt und damit Umwelt und Menschenleben zerstört.
[…]
Hunderte Millionen Tonnen an Grundnahrungsmitteln für die Herstellung von Agrosprit zu verbrennen ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Seit 2007 haben die Regierungen der EU und der USA die Agrarindustrie großzügig darin unterstützt, Autotanks mit Essen zu füllen – mit verbindlichen Zielen, Steuervergünstigungen und Subventionen, die sich auf Milliarden Dollar und Euro pro Jahr belaufen. Das Resultat? Hunger, Landraub und Umweltschäden haben zugenommen, Hunderttausende Menschenleben sind zerstört.
[…]

In seiner Einleitung schreibt Karl Weiss verunglimpfend, an der Grenze des faktischen Rufmords:

Unter der Überschrift “ Mörderischer Sprit” wiederholt Ziegler Wort für Wort die Propaganda der Ölkonzerne, so als ob sie nicht längst widerlegt wäre.

Bezugnehmend auf obiges Süddeutsche-Zitat ist in keinster Weise zu erkennen, wo denn die Öl-Lobby die Aussagen von Ziegler angeblich verbreitet, sondern steht diese Einleitung lediglich als unbelegte, leere Behauptung da.

Jeder Mensch, der die Werke von Jean Ziegler gelesen hat und dem auch seine Aussagen in etlichen Dokus und TV-Interviews bekannt sind, weiss, dass Jean Ziegler garantiert kein Propagandist ist – allerhöchstens für die Hunderten von Millionen ausgebeuteten, hungernden und notleidenden Menschen auf Erden -, zumal er sich der Fatalität der Subventionspolitik der Industrienationen und der Lebensmittelexporte in Entwicklungsländer sehr wohl bewusst ist, und dies auch in mehreren Büchern und Interviews sehr deutlich beschreibt und ausführt.

Als Musterbeispiel sei hier ein kurzer Auszug aus der Dokumentation „We feed the World“ von Erwin Wagenhöfer dargebracht (die entscheidende Aussage in Bezug zur von Ziegler, im – gemäss Karl Weiss – vermeintlichen Dienste der Öl-Mafia, angeblich ignorierten Subventionspolitik, die Karl Weiss in seinem Artikel als ein Kernargument vorbringt, findet sich ab Timemark 1:10, jedoch möchte ich betonen, dass diese knapp vier Minuten – eigentlich gar die ganze Dokumentation – durchaus auch in Gänze sehr dringend zu empfehlen sind):

Jean Ziegler wird trotz seines hohen Alters (79) auch nicht müde, die unmenschliche Nahrungsmittelspekulation an den globalen Finanzcasinos, die überaus fragwürdige Entwicklungshilfe, den Freihandel, den Landraub und die kannibalistische Weltordnung insgesamt – zurecht! – in aller Deutlichkeit und mit etlichen Beweisen an den Pranger zu stellen, wie beispielsweise in folgendem ZIB2-Interview vom 25. September 2012 beim österreichischen ORF deutlich wird.

Es gibt neben den obigen zwei Beispielen noch etliche weitere Bücher, Artikel und Interviews, die faktisch beweisen, dass sich Jean Ziegler an der Nahrungsmittelspekulation, der überaus fragwürdigen Praktizierung von sogenannter ‚Entwicklungshilfe‘, dem Freihandel, dem Landraub und weiterem enorm enerviert, und dies auch – wo immer er nur kann – in aller Deutlichkeit („Massenmord“, „Massaker“, „Bankenbanditismus“) zurecht anprangert.

Weshalb sollte er also plötzlich eine 180°-Richtungsänderung vollziehen und die Herren der Welt in Schutz nehmen bzw. sich in deren Dienst stellen?

Die Tatsache verkennend, dass es in Zieglers Gastartikel bei der SZ nicht um die Subventionspolitik, sondern ‚lediglich‘ um die unmenschliche Fatalität des Biosprit-Grössenwahns geht, die zwar tatsächlicherweise nur ein Teilaspekt des Gesamtproblems des Welthungers darstellt, jedoch dennoch massgeblich am Hungermord von Millionen von Menschen auf der Welt mitverantwortlich ist, führt Karl Weiss in seinem Artikel den Leser – wie ich aus dem Gebot von Treu und Glauben einfach mal annehme, nicht absichtlich – in die Irre.

In seinem Kommentar auf meine Einwände sagt Karl Weiss zwar:

ich kenne die Arbeiten und Artikel und Interviews von Jean Ziegler sehr gut und habe sie geschätzt. Umso mehr war ich entsetzt, dass er jetzt die Seiten gewechselt hat.

Aber offenbar hat er zu wenig genau hingehört (siehe z.B. obiges ORF-Interview) und zu flüchtig gelesen.

Er führt zwar korrekterweise – indirekt – an, dass der Hauptgrund, warum so viele Menschen in den Entwicklungsländern hungern, die kannibalistische Weltordnung (Instustrieländer vs. Entwicklungsländer) ist, doch glaubt er damit – irrigerweise! – den Beleg dafür zu haben, dass Jean Ziegler, wenn er bei der SZ über den Wahnsinn der Betankung mit Lebensmittel spricht, im Dienste der Öl-Lobby agiere.

Dass er also wegen diesem Artikel in der SZ jetzt die Seiten gewechselt haben soll, ist völlig aus der Luft gegriffen. Es ist natürlich nicht absolut auszuschliessend, dass Ziegler von Seiten SZ gewisse Vorgaben erhielt, weil der Gastartikel ansonsten nicht ‘abgedruckt’ worden wäre, aber das ist reine Spekulation meinerseits, der keinerlei direkten Beweise und Belege zu Grunde liegen.

Wieso sollte er denn überhaupt die Seiten wechseln?

Wegen Geld?

Jean Ziegler hat, aufgrund etlicher Klagen von durch Räuberbarone eingestellter Anwaltslakaien, die ihn aufgrund seiner Tacheles-Äusserungen ihnen gegenüber auf horrenden Schadenersatz- & Genugtuungsforderungen sitzen lassen, ca. 6 Mio. SFr. Schulden, weshalb er ja auch am Existenzminimum rumdümpeln würde, wenn das UN-Salär pfändbar wäre und er nicht im Haus seiner Frau am schönen Genfersee in der Schweiz lebte. Zudem ist er alt und macht’s wohl – leider – rein natürlicherweise nicht mehr allzu lange.

Wieso sollte er jetzt also – nach Jahrzehnten des berechtigten Geschreis und Gepolters gegen die Geier des neoliberalen Grössenwahns und der kannibalistischen Weltordnung – plötzlich die Seiten wechseln und für die Öl-Lobby votieren?

Das ergibt absolut keinen Sinn!

Sein Alter ist auch der Grund, weshalb es keinen Sinn machen würde, allfällige Reputationsschäden, aufgrund seines früheren Gepolters gegen die Verbrecher und Gangster dieser Welt in Nadelstreifenanzügen, auszugleichen.

Wenn er das je hätte machen wollen, dann vor mindestens zehn Jahren, wenn nicht früher, aber Jean Ziegler blieb seiner Linie stets treu, und wird auch nicht müde, immer wieder – nicht zufälligerweise, sondern aufgrund der unglaublich tiefsinnigen Weisheit, die darin steckt – auf folgendes Zitat von Jean-Paul Sartre hinzuweisen:

„Um die Menschen zu lieben, muss man sehr stark hassen, was sie unterdrückt. Nicht wer sie unterdrückt. Es geht nicht um persönliche Feindschaften. Es geht um die Strukturen dieser Welt.

Karl Weiss legt in einem Kommentar mit folgender Aussage aber noch einen drauf und haut damit dem Fass den Boden aus:

Es wäre phantastisch, wenn die USA, die EU und Japan nur noch Landwirtschaft für Biosprit betreiben würden.

Und folgert sträflich- & fälschlicherweise weiter:

Dann hätten die Entwicklungsländer endlich die Möglichkeit, Nahrungsmittel für die ganze Welt anzubauen und dafür faire Preise zu bekommen. Das Problems des Hungers auf der Welt wäre mit einem Schlag gelöst.

Dass es also phantastisch wäre, wenn die Landwirtschaft der Industrieländer nur noch Nahrungsmittel für Biosprit anbauten, ist schlicht hanebüchener Quatsch vom Allerfeinsten, und hört sich für mich nun doch nach ganz übel stinkender Propaganda der bzw. für die Agro-Industrie und Biosprit-Mafia an, denn diese Aussage ist schlicht ein Hohn allererster Güte gegenüber allen ausgebeuteten und hungerleidenden Menschen auf Erden!

Die meisten Industrieländer sind schon jetzt zu grossen Teilen von Nahrungsmittelimporten abhängig, und besitzen (noch…) auch die entsprechende Kaufkraft, um sie sich – wo und über welche Kanäle auch immer – zu besorgen.

Wenn nun also hier im „Westen“ (um in Zieglers Begriffen zu sprechen) keine Nahrungsmittel mehr produziert würden, wären die Märkte in den Entwicklungsländern wahrscheinlich bald gänzlich leer, denn das ‚Landgrabbing‘ durch Agromultis und private Spekulanten würde ja dadurch in keinster Weise gestoppt.

Da spielten dann auch viel zu tiefe Preise auf den Märkten in Afrika usw. – aufgrund von US/EU-Subventionspolitik – keine wesentliche Rolle mehr.

Solange in den Entwicklungsländern eine von den Kolonialisten eingesetzte elitäre, hochkorrupte und unglaublich arrogante Herrschaftsschicht nur für ihre eigene Bereicherung regiert (wie Ziegler im übrigen in diversen Büchern an reellen Beispielen, auch mit Bezug zu deren milliardenschweren Konten in der ach so schönen und sauberen Schweiz, en Detail ausführt), ist und bleibt die Lösungs des Problems des Welthungers schlicht eine Utopie – traurigerweise!

Es gilt hiebei also – wennschon – bei der Korruption und dem globalistischen Herrschaftsgefüge und den teuflischen Strukturen der Welt anzusetzen.

Die Frage wäre nur: WIE genau?

Angesichts der Schuldgelddknechtschaftsskalverei, sowie des Konsumgebarens, dem Unterhaltungstreiben und der Plappermentalität vieler heutiger Menschen in den Industrieländern, habe ich auf diese Frage des „wie genau“ – leider – noch immer keine komplett durchdachte Musterlösung bereit, und nehme solchige von Leserseite her jederzeit liebendgerne mit Handkuss (symbolisch 😉 ) entgegen (Gastartikel inkl.).

Sicherlich gibt es auch ein paar gerechtfertigte Kritikpunkte gegenüber Ziegler. Allein die symbolhaft vielsagenden Händedrücke sind durchaus bedenkenswert, und auch die Kreise, in denen er sich zuweilen bewegt, machen darauf aufmerksam, dass man immer wachsamen Auges und klaren Geistes schauen sollte, was er (oder sonstwer) sagt bzw. schreibt.

Was mich persönlich z.B. wirklich bitter enttäuscht hatte, war die Wiederholung der offiziellen Verschwörungstheorie der US-Regierung zu 911 im Buch “Der Hass auf den Westen”, aber womöglich wäre das Buch ansonsten einfach nicht verlegt (Bertelsmann-Konzern) worden; und Ziegler ging es darin ja schliesslich nicht um das Thema ‚Angriffe unter falscher Flagge‘, sondern um die kannibalistische Weltordnung im Sinne der zerstörerischen, neoliberalen Wahnidee, und es ist damit im Zusammenhang mit dem Themenkomplex des Welthungers und Biotreibstoffen völlig irrelevant, dass er diese offzielle Verschwörungstheorie der US-Regierung noch kolportiert hat.

Ich möchte abschliessend jedoch erneut betonen, dass es mir hier in keinster Weise darum geht, gegen Karl Weiss zu agieren, sondern, dass ich dies aus Respekt und Hochachtung gegenüber einem der grössten Helden, den diese Erdkugel je gesehen hat – Monsieur Jean Ziegler – tue.

Dass Karl Weiss ein bezahlter Schreiberling der Biosprit-Mafia ist, kann ich zwar zum jetztigen Zeitpunkt nicht völlig ausschliessen, jedoch habe ich diesbezüglich auch keinerlei stichhaltigen Beweis, weshalb ich das einfach mal als unbelegte, leere These im Raum stehen lassen, und zur allgemeinen Diskussion stellen möchte.

Ich freute mich im Besonderen um eine persönliche Stellungnahme hiezu von Karl Weiss.

Eine sachliche, befördernde und zielführende Diskussion dazu ist also von meiner Seite her sehr gewünscht und herzlich Willkommen! Zensiert wird generell nichts (jeder Kommentator übernimmt hier die vollumfängliche Verantwortung – und allfällig damit verbundene Haftung – für seine/ihre Aussagen selbst)! Ob ich auf etwaige Erwägungen in allfälligen Leserbriefen eingehe, lasse ich offen.


Quellen:

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16 Kommentare

Eingeordnet unter Bewusstsein, Bildung, Dreckskapitalismus, Geopolitik, Jean Ziegler, Kriegstreiber, Kurzclips, LiebeLicht, Manipulation, Medien, Menschen, NWO, Recht, Schuldgeld, Schweiz, Sinn, Weisheit, Zitate

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