Ausgeschafft! … und seine Schweizer Ehefrau?

Nachfolgend ein weiterer Artikel von Infosperber.


Mit 850 Franken und zwei Kartonschachteln mit Kleidern in Beirut auf die Strasse gestellt. – Seine Schweizer Ehefrau berichtet.

Die Diskussionen um das Asylrecht und die Migration laufen im Hinblick auf die Abstimmung am 9. Juni 2013 auf Hochtouren. Es wird von «den Asylsuchenden», von «Renitenten», von «Ausschaffungen» gesprochen. Aber kennt man als Leser, als Leserin all der Diskussionsbeiträge einen konkreten Fall einer Ausschaffung? Kennt man selber, persönlich, einen Menschen, der ausgeschafft wurde? Und kennt man seine Angehörigen, die mit dieser Situation zurecht kommen müssen?

Infosperber hat ausführlich über den Fall Mansour berichtet: (Auch in der Schweiz gibt es Folterkammern) und (Ausschaffungshaft: Es bleibt nur die Verzweiflung). Eine Geschichte, die absurder kaum sein könnte: Hassan Mansour sitzt jahrelang im Gefängnis, weil er gemäss einem psychiatrischen Gutachten eine Gefahr für seine Ehefrau sei. Und dies, obwohl genau diese seine (Schweizer) Ehefrau, Marion Mansour, eine Musikerin, seit Jahren für seine Freilassung kämpft! Mit Erfolg vor Bundesgericht – aber missachtet von der Zürcher Justiz: Am 11. April wurde Hassan Mansour in den Libanon ausgeschafft – in ein Land, das er vor 35 Jahren verlassen hat!

Marion Mansour gibt nicht auf. Aber sie ist am Ende ihrer Kräfte. Vor ein paar Tagen hat sie ihren Freunden den folgenden Brief gemailt:

Liebe Freunde und Bekannte, liebe Unterstützer und Begleiter

Die meisten von Euch wissen wohl, dass die Zürcher Justiz den Wahnsinn am 14.4.2013 auf die Spitze getrieben hat und meinen schwerkranken Ehemann trotz längst bestätigter Todesgefahr bei einer Zwangsausschaffung doch brutal ausgeschafft hat.

Mein Mann war vom 11.12.2009 – 14.4.2013 unschuldig inhaftiert, aufgrund eines beweisbar faktisch falschen Berichtes über unsere damalige Lebenssituation als Ehepaar. In unserem damals bereits 4 1/2jährigen Zusammenleben als Paar gab es noch nie irgendwelche Anzeichen von Bedrohung oder gar Gewalt.

Trotzdem wurde mein Mann von Urbanioks PPD-Lakaien als «potentielle Gefahr bezüglich seiner Ehefrau» bezeichnet und aufgrund dessen inhaftiert, einfach so, über Nacht, ohne Vorkommnisse. Diesen «Fehler» wollte die Zürcher Justiz vor der Öffentlichkeit nicht zugeben.

Beinahe hätte man meinen Mann nun am Ende in den letzten 3½ Monaten, welche er auch noch in der Ausschaffungshaft hat verbringen müssen, umgebracht. Ja, umgebracht. Die drei aussenstehenden Menschen, welche ausser mir diesen unglaublichen Gesundheitszustand noch mit eigenen Augen gesehen haben, als sie meinen Mann mit mir im Frühjahr 2013 besuchten, wissen, dass ich nicht übertreibe, wenn ich dies so schreibe. (Einer der drei Besucher war der Berichterstatter von Infosperber, Christian Müller. Anm. der Red.)

Anstatt meinen Mann zurück in unser Leben, das durch diese 3½ Jahre in täglichem Leid und Lebensraub vergangen war und ohnehin in jeder Hinsicht schwer gestört und behindert wurde, endlich freizulassen, hat man ihn nun also noch zwangsausgeschafft.

Im Moment sage ich dazu nicht mehr. Es ist einfach nur entwürdigend, traurig und beschämend, dass solche Geschehnisse in der Schweiz, unserem Land geschehen.

Mein Mann wurde gesundheitlich (grösste Atembeschwerden und allgemeiner Schwächezustand) ohne Pass und mit lediglich 850 Franken und zwei Kartonschachteln mit seinen Kleidern in Libanon/Beirut sprichwörtlich auf die Strasse gestellt.

Ich wurde darüber am gleichen Tag, als ich meinte, meinen Mann am Nachmittag wie immer im Gefängnis besuchen zu können, von einem anonymen Migrationsamtsmitarbeiter per Telefon mit den Worten informiert: «Ihr Mann wurde heute in den Libanon ausgeschafft. Er ist jetzt in Beirut. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.»

Aufgrund dieser Umstände bitte ich Euch alle um Verständnis, dass ich in den nächsten Wochen kaum mehr Mails schreiben und beantworten kann, es ist jetzt einfach zuviel. (Das heisst nicht, dass ich überhaupt keine Mails mehr schreibe, aber einfach sehr reduziert und kurz).

Selbstverständlich kämpfen wir weiter für unser Leben und für die Aufdeckung des gesamten Skandals. Unser Ziel ist und bleibt, in der Schweiz unser Leben in Ruhe und als unabhängige Menschen zu leben.

Euch allen danke ich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für die grosse Unterstützung, alles war für uns sehr wichtig und half uns, dies bis zu diesem Punkt durchzustehen.

Von Herzen die besten Grüsse auch von meinem Mann, der nun in einem auch ihm mittlerweile fremden Land in Freiheit ist.

Marion Mansour

(Ende des Briefes. Er ist hier leicht gekürzt wiedergegeben.)

Ausschaffung ist ein Wort mit zwölf Buchstaben, wie so viele andere Wörter auch. Was Ausschaffung aber bedeutet, konkret, für den Ausgeschafften, für die Menschen um ihn herum, für die Ehefrau: Wer es nicht miterlebt hat, kann sich kaum ein Bild davon machen.

Autor: Christian Müller am 31. Mai 2013
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine.

Quelle: http://www.infosperber.ch/Artikel/FreiheitRecht/Ausgeschafft—und-seine-Schweizer-Ehefrau


Empfehlungen:

Ps. Die Kommentare beim Originalartikel sind sehr zu empfehlen. Den Kommentarstrang hier lasse ich nur offen, weil ich Registrierungen verabscheue. Wen diese jedoch nicht stören, gibt seinen Kommentar bitte bei Infosperber ab. 😉

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8 Kommentare

Eingeordnet unter Freiheit, Fremdartikel, Kriegstreiber, Manipulation, Medien, Menschen, Recht, Schweiz

8 Antworten zu “Ausgeschafft! … und seine Schweizer Ehefrau?

  1. Ich setze diesen Artikel als Gastkommentator in den Blog „Schweizer Krieger“. Dort ergötzt man sich daran, fast ausschliesslich Straftaten von Ausländern an Schweizern zu publizieren. Danke. Und mein Mitgefühl für Hassan und Marion…

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  2. @admin
    Ich nehme den Artikel rüber auf bb

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  3. @thomram

    Danke für die Verlinkung. Sollte er den nicht freischalten, bewiese er damit meinen Eindruck, dass es sich bei diesem Schweizer um einen eher rechtsextremistischen Krieger handeln könnte, und v.a. fickt er sich damit selber, denn:

    […]
    Bei mir ist jeder Kommentar Willkommen und wird veröffentlicht. Zensuren sind mir ein Fremdwort (ausser einzelne Wörter und zu Aggressive beschuldigungen ).
    […]

    http://schweizerkrieger.wordpress.com/powerpoint/

    😉

    Ps. Der Fall Mansour ist ein Schweizer Justizskandal der übelsten Sorte, doch er wird leider viel zu wenig wahrgenommen.

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  4. @thomram & @All

    Das Schweizerkrieger-Nazipack zensiert und lügt, dass sich die Balken biegen.

    Meine zwei Kommentare im Gästebuch wurden zensiert, aber ich hab ‚der Bruderschaft‘ soeben – da sie den von Thomas eingereichten Kommentar übernommen haben – in einem ausführlichen Kommentar ins Gewissen geredet. Schauen wir mal, ob der auch zensiert wird: http://schweizerkrieger.wordpress.com/2013/10/03/ausgeschafft/

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  5. Hallo zusammen, ich erlaube mir, hier meinen eigenen Text welcher einen kleinen Einblick in unsere Situation nach der oben beschriebenen Zwangsausschaffung (die nie hätte geschehen müssen wenn sich einige Zürcher Richter und Beamte mehr um Fakten als um Vertuschung der „“Fehler““ Ihresgleichen gehalten hätten) darstellt.
    Was mein Mann und ich auf ALLE Lebensbereiche bezogen hier erleben und durchmachen ist unbeschreiblich. Wohl wäre niemand dem allem gewachsen. Wir tun unser Bestes, wenn es auch schwer ist.
    Danke für alle guten Mitgedanken – sie tun immer gut.

    http://justizskandalmansour.wordpress.com/2013/11/19/heute-in-libanon-2-bomben-in-unserer-nachsten-nahe-detoniert/

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  6. Liebe Marion

    Ich hatte gestern zu-fällig davon erfahren, und musste sogleich an euch denken – mit dem Wunsch, dass euch nichts zugestossen ist.
    Es muss wohl davon ausgegangen werden dass der korrupte Schweizer Beamtenklüngel noch immer uneinsichtig ist, und sich stur stellt, nehme ich an. Ich plage mich übrigens aktuell auch gerade mit überbezahltem Bürokratengesoxx rum. So läuft das in der sauberen Schweiz: Wer nicht spurt und gewissen Kreisen nicht passt – warum auch immer – wird systematisch terrorisiert oder gar schlimmeres, wie in eurem Fall. Ein Trauerspiel. Leider weiss ich nicht mehr, was dagegen zielführend unternommen werden könnte, zumal sich der Grossteil der hiesigen Gesellschaft lediglich um die saubere Fassade kümmert.

    Viel Kraft und alles LiebeLicht für euch!

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  7. Pingback: Die Wahrheit über eine verlogene Schweiz: Schockierender Erlebnisbericht zur brutalen Zwangsausschaffung von Hassan Mansour | Sei herzlich Willkommen beim Dude

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